Sanierung & Modernisierung · Artikel 09

Bauzeitenplan nach Zuschlag: Sanierung richtig steuern

Nach dem Zuschlag beginnt nicht sofort der Innenausbau. Zuerst kommen Sicherung, Zugang, Bestandsaufnahme, Versicherung, Planung, Fördercheck, Genehmigungen und Vergabe. Wer ohne Bauzeitenplan startet, riskiert Leerlauf, Nachträge, falsche Reihenfolge und Förderverlust.

Hinweis: Alle Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Bau-, Rechts-, Steuer-, Energie-, Fördermittel- oder Immobilienberatung. Stand: 27. April 2026.

Abschnitt 1

100-Tage-Plan nach Zuschlag

Die ersten hundert Tage nach dem Zuschlag sind entscheidend für den Projekterfolg. Wer die Phasen kennt und in der richtigen Reihenfolge abarbeitet, vermeidet kostspielige Nachträge und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung.

ZeitraumAufgabe
Tag 1–7Versicherung, Zugang, Sicherung, Fotos, Leitungen prüfen
Woche 2–4Bestandsaufnahme, Schadstoff-/Feuchtecheck, Energiecheck
Monat 2Planung, Kosten, Fördermittel, Bauzeitenplan
Monat 2–3Leistungsverzeichnis, Angebote, Vergabe
Monat 3–4Rückbau, Entsorgung, Rohbauprüfung
danachHaustechnik, Hülle, Ausbau, Abnahme

Abschnitt 2

Reihenfolge der Gewerke

Die Reihenfolge der Gewerke ist kein optionales Planungsdetail, sondern eine technische Notwendigkeit. Haustechnik vor Trockenbau, Dach vor Fenster, Statik vor Ausbau – wer die Reihenfolge missachtet, zahlt doppelt.

ReihenfolgeGewerk
1Sicherung / Notmaßnahmen
2Rückbau / Schadstoffe
3Statik / Rohbau
4Dach / Hülle
5Fenster / Fassade
6Elektro / Sanitär / Heizung
7Dämmung / Lüftung
8Trockenbau / Estrich
9Maler / Böden / Türen
10Abnahme / Mängel / Dokumentation

Abschnitt 3

Abhängigkeiten

Bestimmte Bedingungen erzeugen zwingend Abhängigkeiten im Bauzeitenplan. Förderung, Denkmalschutz, GEG-Pflichten, WEG-Strukturen und Mietverhältnisse müssen vor Vergabe geklärt sein.

Wenn …dann …
Förderung genutzt werden sollAntrag vor Auftrag prüfen
Denkmal betroffen istGenehmigung vor Beginn
Heizung erneuert wirdGEG und Schornsteinfeger prüfen
Fenster getauscht werdenLüftung und Feuchte prüfen
WEG betroffen istBeschlüsse prüfen
vermietet istZugang und Mietrecht klären

Abschnitt 4

Zeit- und Finanzierungskosten

Bauzeit ist ein direkter Kostenfaktor, der in vielen Sanierungskalkulationen unterschätzt wird. Jeder Monat Verzögerung erzeugt laufende Kosten, die das Projektergebnis erheblich verschlechtern können.

Laufende Kostenposten während der Bauzeit

  • Bereitstellungszinsen
  • Laufende Versicherung
  • Grundsteuer
  • Hausgeld
  • Entgangene Miete
  • Zwischenfinanzierung
  • Doppelmiete bei Selbstnutzern
  • Preissteigerungen
  • Handwerkerverzug

Abschnitt 5

Kosten der Verzögerung

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich laufende Monatskosten bei unterschiedlichen Verzögerungsdauern summieren. Monatskosten können Zinsen, Versicherung, Grundsteuer, Hausgeld, Baustellensicherung, entgangene Miete und Doppelkosten enthalten.

Verzögerung1.000 €/Monat2.500 €/Monat5.000 €/Monat
3 Monate3.000 €7.500 €15.000 €
6 Monate6.000 €15.000 €30.000 €
12 Monate12.000 €30.000 €60.000 €

Abschnitt 6

Bauzeitenplan mit Meilensteinen

Ein realistischer Bauzeitenplan orientiert sich an messbaren Meilensteinen. Die folgende Tabelle zeigt Zielwerte für typische Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen – größere Objekte erfordern entsprechend längere Zeiträume.

MeilensteinZielwert
Objekt gesichertTag 1–7
Erstbegehung / SchadenslisteWoche 1–2
Fachgutachten beauftragtWoche 2–4
Fördercheck abgeschlossenvor Beauftragung
LV fertigMonat 2
Angebote verglichenMonat 2–3
Bauvertrag unterschriebennach Förder-/Genehmigungscheck
Rückbau abgeschlossenMonat 3–4
Haustechnik RohinstallationMonat 4–6
InnenausbauMonat 6–9
Abnahme / Vermietungabhängig vom Projekt

Quellen

Quellen & fachliche Grundlage

  • Gebäudeenergiegesetz (GEG), insbesondere §§ 47, 48, 71 ff., 72, 80, 105 GEG sowie Anlage 7 GEG.
  • Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (ZVG), insbesondere § 90 ZVG zum Eigentumserwerb durch Zuschlag.
  • Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), insbesondere KfW Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude (458) und BAFA BEG Einzelmaßnahmen.
  • KfW: Förderprodukt 458 Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude, aktuelle Produkt- und Merkblattinformationen.
  • BAFA: Bundesförderung für effiziente Gebäude, Förderprogramm im Überblick und BEG EM.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Baupreise für Wohngebäude und Instandhaltung.
  • BGB-Werkvertragsrecht, VOB/B nur bei wirksamer Vereinbarung, HOAI als Orientierungsrahmen für Planungsleistungen.

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