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Bodenrichtwert bei Zwangsversteigerungen: Wie Sie Bodenwert, Verkehrswert und Risiko richtig einschätzen

Der Bodenrichtwert zeigt, welcher Wert im Grund und Boden steckt. Bei Zwangsversteigerungen hilft er, den Verkehrswert besser einzuordnen, Gebäuderisiken zu bewerten und das eigene Maximalgebot sachlicher festzulegen.

Stand: April 2026 · Lesedauer: ca. 12–15 Minuten

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Immobilien-, Finanzierungs-, Steuer- oder Standortberatung. Bodenrichtwerte verändern sich und können vom tatsächlichen Marktwert abweichen. Vor einem Gebot sollten amtliche Quellen, Gutachten, Grundbuch und fachkundige Beratung geprüft werden.

Grundlagen

Was ist ein Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Lagewert für den Grund und Boden in einer bestimmten Bodenrichtwertzone. Er wird in Euro pro Quadratmeter angegeben und von den zuständigen Gutachterausschüssen für Grundstückswerte ermittelt.

Die gesetzliche Grundlage findet sich in § 196 BauGB. Danach werden auf Grundlage der Kaufpreissammlung flächendeckend durchschnittliche Lagewerte für den Boden ermittelt. In bebauten Gebieten wird der Bodenrichtwert so bestimmt, als wäre der Boden unbebaut. Das bedeutet: Das vorhandene Gebäude wird beim Bodenrichtwert nicht als eigener Wertbestandteil berücksichtigt.

Einfache Berechnung: Bodenwert
Grundstücksfläche500 m²
Bodenrichtwert700 €/m²
Rechnerischer Bodenwert350.000 €

Dieser Wert beschreibt nicht den Wert des Hauses, der Wohnung oder der gesamten Immobilie. Er beschreibt nur den rechnerischen Wert des Grundstücksbodens.

Datenquellen

Wo findet man Bodenrichtwerte?

Bodenrichtwerte werden von den Gutachterausschüssen der Bundesländer veröffentlicht. Einen länderübergreifenden Zugang bietet BORIS-D, das Bodenrichtwertinformationssystem für Deutschland. Dort werden Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse länderübergreifend, webbasiert und öffentlich zugänglich bereitgestellt.

Für Interessenten an Zwangsversteigerungen ist es besonders hilfreich, wenn der Bodenrichtwert direkt zusammen mit den Objektdaten angezeigt wird. Dann lässt sich schnell berechnen, welcher Wert rechnerisch im Grundstück steckt und wie dieser Wert zum gerichtlichen Verkehrswert passt.

QuelleInhaltZugang
BORIS-DBodenrichtwerte aller Bundesländerboris.de, öffentlich
GutachterausschüsseLokale Bodenrichtwerte, MarktberichteLandesportale, teils kostenpflichtig
Bauämter / LiegenschaftskatasterDetailauskunft für einzelne FlurstückeAuf Anfrage
VersteigerungspilotBodenrichtwert direkt bei ObjektdatenIntegriert in Objektansicht

Aussagekraft

Was sagt der Bodenrichtwert aus?

Der Bodenrichtwert beantwortet im Kern diese Frage: Was ist der Grund und Boden in dieser Lage ungefähr wert?

  • Lagequalität der Umgebung einordnen
  • Bodenwertniveau vergleichbarer Zonen verstehen
  • Grundstückswert überschlägig berechnen
  • Plausibilität des Verkehrswerts prüfen
  • Verhältnis zwischen Bodenwert und Gebäudewert ermitteln
  • Marktattraktivität einer Lage einschätzen

Bei Zwangsversteigerungen ist das besonders nützlich, weil der Bodenrichtwert eine unabhängige Orientierung bietet. Er stammt nicht vom Eigentümer, nicht vom Makler und nicht von einem Verkäufer, sondern aus der amtlichen Wertermittlung.

Stärken & Grenzen

Was sagt der Bodenrichtwert aus – und was nicht?

Der Bodenrichtwert sagt ausDer Bodenrichtwert sagt nicht aus
Ungefähres Bodenwertniveau einer LageTatsächlicher Kaufpreis der Immobilie
Wert des Bodens pro QuadratmeterZustand des Gebäudes
Orientierung für den GrundstückswertSanierungsbedarf
Vergleichbarkeit mit ähnlichen LagenRechtliche Belastungen im Grundbuch
Grundlage für den rechnerischen BodenwertMietverhältnisse oder Wohnrechte
Hinweis auf LagequalitätOb ein Gebot wirtschaftlich sinnvoll ist

Nutzungsart & Stichtag

Nutzungsart, Entwicklungszustand und Stichtag richtig lesen

Beim Bodenrichtwert sollte man nicht nur auf die Zahl in Euro pro Quadratmeter schauen. Wichtig ist auch, für welche Art von Grundstück der Wert gilt.

Entwicklungszustand / NutzungsartEinordnung
Baureifes WohnbaulandHöchster Wert; sofort bebaubar
RohbaulandErschließung noch nicht abgeschlossen
BauerwartungslandBebauung erwartet, aber nicht gesichert
Gewerbefläche / MischgebietAndere Bewertungslogik, Drittverwendbarkeit prüfen
Landwirtschaftliche FlächeDeutlich niedriger; Umwidmung prüfen
Sondergebiete / Eingeschränkte NutzungEinzelfallprüfung erforderlich

Auch der Stichtag ist wichtig. Bodenrichtwerte beziehen sich auf einen bestimmten Bewertungszeitpunkt. In steigenden oder fallenden Märkten kann der aktuelle Marktwert deshalb vom veröffentlichten Bodenrichtwert abweichen.

Ein weiterer häufiger Fehler: Der Bodenrichtwert gilt für ein typisches Richtwertgrundstück der Zone. Das konkrete Versteigerungsobjekt kann abweichen – durch Grundstücksgröße, Zuschnitt, Ecklage, Hanglage, Altlasten, Baulasten, Erschließung oder planungsrechtliche Einschränkungen.

Begriffe

Bodenrichtwert, Bodenwert und Verkehrswert: Der Unterschied

BegriffDefinitionBezug
BodenrichtwertAmtlicher Durchschnittswert pro m² Boden in einer Lage (€/m²)Zone / Lage
BodenwertGrundstücksfläche × Bodenrichtwert = rechnerischer Wert des GrundstücksKonkretes Grundstück
VerkehrswertWert der gesamten Immobilie (Boden + Gebäude + sonstige Faktoren)Gesamtobjekt
MeistgebotHöchstes Gebot im VersteigerungsterminVerfahren

Bei einer Zwangsversteigerung wird der Verkehrswert vom Gericht festgesetzt, meist auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens. Dieser gerichtliche Verkehrswert ist für das Verfahren wichtig, aber er ist nicht automatisch identisch mit dem Preis, den ein Bieter wirtschaftlich zahlen sollte.

Relevanz für Bieter

Warum ist der Bodenrichtwert bei Zwangsversteigerungen besonders wichtig?

Bei Zwangsversteigerungen gibt es häufig ein Informationsdefizit. Interessenten können das Objekt oft nur von außen beurteilen. Eine Innenbesichtigung ist nicht garantiert. Auch Unterlagen können unvollständig sein. Der Bodenrichtwert unterstützt Bieter bei drei zentralen Fragen:

FrageWie der Bodenrichtwert hilft
Wie viel Wert steckt im Grundstück selbst?Bodenwert lässt sich einfach überschlagen
Wie viel entfällt rechnerisch auf das Gebäude?Bodenwert mit Verkehrswert vergleichen
Wie hoch ist das Risiko aus dem Gebäudezustand?Je größer der Gebäudeanteil, desto wichtiger ist gute Zustandsinformation

Kennzahl

Die wichtigste Kennzahl: der Bodenwertanteil

Besonders hilfreich ist der sogenannte Bodenwertanteil. Er zeigt, welcher Anteil des Verkehrswerts rechnerisch auf den Boden entfällt.

Formel: Bodenwertanteil
Bodenwert400.000 €
Verkehrswert500.000 €
Bodenwertanteil80 %

Das bedeutet: 80 Prozent des Verkehrswerts werden rechnerisch durch den Boden erklärt. Nur 20 Prozent entfallen rechnerisch auf Gebäude und sonstige wertbildende Bestandteile.

Risikoeinordnung

Bodenwertanteil als Risikokennzahl

BodenwertanteilEinordnung für Bieter
unter 30 %Der Wert hängt stark vom Gebäude ab. Ohne gute Zustandsinformationen besteht erhöhtes Risiko.
30–60 %Boden und Gebäude tragen beide wesentlich zum Wert bei. Normale Detailprüfung erforderlich.
60–80 %Der Boden trägt einen großen Teil des Werts. Gebäuderisiken tendenziell besser begrenzbar.
über 80 %Sehr hoher Bodenwertanteil. Wert liegt überwiegend im Grundstück; Grundstücksrisiken trotzdem prüfen.

Diese Tabelle ist eine praktische Orientierung, keine feste Bewertungsregel. Sie ersetzt kein Gutachten und keine rechtliche Prüfung.

Warum hoher Anteil vorteilhaft sein kann

Warum ein hoher Bodenwertanteil das Risiko senken kann

Bei einer Zwangsversteigerung ist ein hoher Bodenwertanteil oft ein positives Signal. Der Grund ist einfach: Boden nutzt sich nicht ab.

Ein Gebäude kann erhebliche Risiken enthalten – alte Leitungen, undichte Dächer, Feuchtigkeit, Schimmel, Energiesanierungsbedarf oder Modernisierungsstau. Diese Risiken sind besonders problematisch, wenn keine Innenbesichtigung möglich ist.

Deshalb gilt als Grundgedanke: Je höher der Bodenwertanteil am Gesamtwert ist, desto weniger hängt die Bewertung allein vom Zustand des Gebäudes ab. Das macht eine Zwangsversteigerung nicht automatisch sicher, aber kann sie besser kalkulierbar machen.

Langfristige Entwicklung

Historische Entwicklung: Bodenwerte langfristig wertstabiler

Grund und Boden ist nicht beliebig vermehrbar. Besonders in gefragten Städten, Ballungsräumen und guten Wohnlagen kann diese Knappheit langfristig zu steigenden Bodenwerten führen.

Der Deutschlandatlas weist darauf hin, dass Baulandpreise in Deutschland zwischen 2015 und 2022 bundesweit um etwa 9 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Gleichzeitig bestehen große regionale Unterschiede.

Wichtig: Diese Statistik betrifft Baulandpreise, nicht direkt jeden einzelnen Bodenrichtwert. Trotzdem zeigt die Entwicklung, warum der Bodenwert bei Immobilien langfristig eine zentrale Rolle spielt.

Sachlich formuliert: Bodenwerte sind in vielen Regionen langfristig gestiegen und häufig wertstabiler als Gebäude. Sie steigen aber nicht automatisch in jeder Lage und zu jedem Zeitpunkt.

Beispiel 1

Unbebautes Grundstück in der Zwangsversteigerung

Berechnung Bodenwert
Grundstücksfläche800 m²
Bodenrichtwert450 €/m²
Gerichtlicher Verkehrswert370.000 €
Rechnerischer Bodenwert360.000 €

Der Verkehrswert liegt nur leicht über dem rechnerischen Bodenwert – grundsätzlich plausibel bei unbebauten Grundstücken. Trotzdem sollten Bieter prüfen:

  • Ist das Grundstück erschlossen?
  • Gibt es einen Bebauungsplan?
  • Ist die gewünschte Bebauung zulässig?
  • Gibt es Baulasten oder Altlasten?
  • Sind noch Erschließungsbeiträge offen?
  • Gibt es Wegerechte oder Leitungsrechte?

Beispiel 2

Einfamilienhaus mit hohem Bodenwertanteil

Berechnung Bodenwert und Bodenwertanteil
Grundstücksfläche700 m²
Bodenrichtwert800 €/m²
Rechnerischer Bodenwert560.000 €
Gerichtlicher Verkehrswert650.000 €
Bodenwertanteilca. 86 %

Rund 86 Prozent des Verkehrswerts entfallen rechnerisch auf das Grundstück. Nur ca. 90.000 € entfallen auf Gebäude und sonstige Bestandteile.

  • Das Grundstück ist der zentrale Werttreiber
  • Das Gebäude wurde nur mit begrenztem Restwert angesetzt
  • Sanierungsrisiken des Gebäudes können wirtschaftlich besser begrenzbar sein
  • Die Lage ist wahrscheinlich wichtiger als der Gebäudezustand

Trotzdem bleibt eine Prüfung notwendig. Auch bei hohem Bodenwertanteil können Abrisskosten, Altlasten, Baulasten oder rechtliche Einschränkungen den wirtschaftlichen Wert beeinflussen.

Beispiel 3

Einfamilienhaus mit niedrigem Bodenwertanteil

Berechnung Bodenwert und Bodenwertanteil
Grundstücksfläche350 m²
Bodenrichtwert400 €/m²
Rechnerischer Bodenwert140.000 €
Gerichtlicher Verkehrswert520.000 €
Bodenwertanteilca. 27 %

Nur rund 27 Prozent des Verkehrswerts entfallen auf den Boden – der überwiegende Teil hängt vom Gebäude ab. Das kann völlig in Ordnung sein, wenn das Haus modern und gut erhalten ist. Bei einer Zwangsversteigerung ohne Innenbesichtigung entsteht aber eine wichtige Frage:

Kann der Gebäudezustand ausreichend sicher geprüft werden? Je niedriger der Bodenwertanteil, desto wichtiger ist die Zustandsinformation.

Direktvergleich

Zwei Einfamilienhäuser im direkten Vergleich

KennzahlHaus A: hoher BodenwertanteilHaus B: niedriger Bodenwertanteil
Grundstücksfläche700 m²350 m²
Bodenrichtwert800 €/m²400 €/m²
Bodenwert560.000 €140.000 €
Verkehrswert650.000 €520.000 €
Bodenwertanteilca. 86 %ca. 27 %
InterpretationWert steckt überwiegend im GrundstückWert hängt stark vom Gebäude ab

Zwei Objekte können beide interessant wirken, aber ein sehr unterschiedliches Risikoprofil haben. Der Bodenrichtwert macht diesen Unterschied sichtbar.

Eigentumswohnung

Eigentumswohnung: Bodenwert über den Miteigentumsanteil

Bei einer Eigentumswohnung ist der Bodenrichtwert nicht so offensichtlich wie bei einem Einfamilienhaus. Trotzdem spielt der Bodenwert auch hier eine Rolle.

Wohnungseigentum ist mit einem Miteigentumsanteil am gemeinschaftlichen Eigentum verbunden. Dazu gehört regelmäßig auch das Grundstück (§ 1 WEG). Deshalb hat eine Eigentumswohnung indirekt einen Anteil am Bodenwert.

Berechnung: Bodenwertanteil einer Eigentumswohnung
Grundstücksfläche Mehrfamilienhaus1.200 m²
Bodenrichtwert900 €/m²
Bodenwert Gesamtgrundstück1.080.000 €
Miteigentumsanteil der Wohnung75/1.000
Anteiliger Bodenwert der Wohnung81.000 €
Verkehrswert der Wohnung240.000 €
Bodenwertanteil der Wohnungca. 34 %

Rund 34 Prozent des Verkehrswerts der Wohnung entfallen rechnerisch auf den anteiligen Bodenwert. Gerade in Innenstadtlagen kann dieser Anteil erheblich sein.

Bei Wohnungen sind zusätzlich die WEG-Risiken zu prüfen: Hausgeld, Instandhaltungsrücklage, Sonderumlagen, Protokolle der Eigentümerversammlungen, Zustand von Dach, Fassade und Gemeinschaftseigentum.

Nach Objektart

Bedeutung des Bodenrichtwerts je nach Objektart

ObjektartBedeutung des Bodenrichtwerts
Unbebautes GrundstückSehr direkt relevant, da der Wert fast vollständig aus dem Boden entsteht.
EinfamilienhausWichtig zur Trennung von Bodenwert und Gebäudewert.
MehrfamilienhausRelevant für Grundstückswert, Ertragswert und langfristige Lagequalität.
EigentumswohnungIndirekt relevant über den Miteigentumsanteil am Grundstück.
GewerbeobjektRelevant, aber stark abhängig von Nutzungsart, Lage und Drittverwendbarkeit.

Meistgebot & Wertgrenzen

Bodenrichtwert und Meistgebot

Bei Zwangsversteigerungen wird häufig nur auf das Bargebot geschaut. Wirtschaftlich entscheidend ist aber das Meistgebot. Es kann neben dem Bargebot auch bestehenbleibende Rechte umfassen, die vom Ersteher übernommen werden müssen.

Beispiel: Wirtschaftliche Gesamtbelastung
Bargebot300.000 €
Bestehenbleibendes Recht80.000 €
Wirtschaftliche Gesamtbelastung380.000 €

Die bekannten 5/10- und 7/10-Wertgrenzen beziehen sich nicht auf den Bodenrichtwert, sondern auf den gerichtlich festgesetzten Verkehrswert. Der Bodenrichtwert bestimmt also nicht, ob ein Zuschlag erteilt wird – er hilft aber bei der Frage, ob das eigene Gebot wirtschaftlich sinnvoll ist.

Schritt für Schritt

Wie Bieter den Bodenrichtwert praktisch nutzen können

SchrittAktionErgebnis
1Bodenrichtwert für die konkrete Lage abrufenNutzungsart, Entwicklungszustand und Stichtag mitprüfen
2Grundstücksfläche oder Miteigentumsanteil ermittelnAus Gutachten oder Grundbuch
3Bodenwert berechnen: Fläche × BodenrichtwertRechnerischer Bodenwert des Grundstücks
4Bodenwert mit Verkehrswert vergleichenBodenwertanteil in Prozent berechnen
5Gebäuderisiko einschätzenJe niedriger der Anteil, desto wichtiger ist Zustandsinformation
6Rechte und Lasten prüfenGrundbuch, bestehenbleibende Rechte, Mietverhältnisse
7Nebenkosten und Sanierungskosten berücksichtigenGesamtkapitalbedarf ermitteln
8Maximalgebot vor dem Termin festlegenNicht spontan im Saal überschreiten
Formel: Maximalgebot = realistischer Objektwert − Risiken − Nebenkosten − Sanierungskosten − Sicherheitsabschlag

Typische Fehler

Typische Fehler bei der Nutzung des Bodenrichtwerts

FehlerWarum problematisch
Bodenrichtwert mit Immobilienwert verwechselnEr beschreibt nur den Boden, nicht das gesamte Objekt
Den Stichtag ignorierenIn dynamischen Märkten kann der Marktwert erheblich abweichen
Nutzungsart nicht prüfenWohnbauland ≠ Bauerwartungsland ≠ Gewerbe
Richtwertgrundstück und konkretes Objekt gleichsetzenGröße, Zuschnitt, Erschließung können den Wert verändern
Gebäuderisiken unterschätzenBei niedrigem Bodenwertanteil hängt viel am schwer prüfbaren Gebäudezustand
WEG-Risiken bei Wohnungen übersehenHausgeld, Rücklagen und Sonderumlagen sind entscheidend
Nur auf das Bargebot schauenBestehenbleibende Rechte können wirtschaftlich erheblich sein

Grenzen

Was ein hoher Bodenwertanteil nicht bedeutet

Ein hoher Bodenwertanteil kann das Risiko senken, aber er macht eine Zwangsversteigerung nicht risikofrei. Auch Grundstücke können problematisch sein.

  • Altlasten und Bodenverunreinigungen
  • Baulasten und fehlende Erschließung
  • Offene Erschließungsbeiträge
  • Eingeschränkte Bebaubarkeit
  • Wegerechte, Leitungsrechte
  • Nießbrauch, Wohnrechte
  • Denkmalschutz und Abrisskosten
  • Hochwassergefahr, Lärm
  • Planungsrechtliche Beschränkungen
Ein hoher Bodenwertanteil kann eine Zwangsversteigerung besser kalkulierbar machen, weil ein größerer Teil des Werts im Grundstück steckt und weniger stark vom Zustand des Gebäudes abhängt. Er ist ein positives Signal, aber keine Garantie.

FAQ

Häufige Fragen zum Bodenrichtwert

Was ist der Bodenrichtwert?

Ein amtlicher Durchschnittswert für den Grund und Boden in einer bestimmten Lage, angegeben in Euro pro Quadratmeter. Er wird von den Gutachterausschüssen auf Grundlage tatsächlicher Kaufpreise ermittelt (§ 196 BauGB).

Ist der Bodenrichtwert der Wert der Immobilie?

Nein. Der Bodenrichtwert bezieht sich nur auf den Boden. Gebäude, Zustand, Sanierungskosten, Rechte und Mietverhältnisse sind darin nicht enthalten.

Wie berechnet man den Bodenwert?

Grundstücksfläche × Bodenrichtwert = Bodenwert. Beispiel: 600 m² × 750 €/m² = 450.000 € Bodenwert.

Was ist der Bodenwertanteil und warum ist er wichtig?

Bodenwert ÷ Verkehrswert × 100 = Bodenwertanteil in Prozent. Ein hoher Anteil bedeutet, dass viel Wert im Grundstück steckt – und weniger vom schwer prüfbaren Gebäudezustand abhängt.

Gilt der Bodenrichtwert auch bei Eigentumswohnungen?

Ja, indirekt. Eine Eigentumswohnung ist mit einem Miteigentumsanteil am Grundstück verbunden. Der anteilige Bodenwert lässt sich über diesen Anteil berechnen.

Steigen Bodenrichtwerte immer?

Nein. Bodenwerte sind in vielen Regionen langfristig gestiegen, besonders in gefragten Lagen. Eine Garantie gibt es nicht – Region, Nachfrage, Zinsen und Infrastruktur können den Bodenwert stark beeinflussen.

Bestimmt der Bodenrichtwert die 5/10- oder 7/10-Grenze?

Nein. Diese Wertgrenzen beziehen sich auf den gerichtlich festgesetzten Verkehrswert, nicht auf den Bodenrichtwert.

Wo finde ich Bodenrichtwerte?

Über BORIS-D (bodenrichtwerte-boris.de), die Gutachterausschüsse der Bundesländer oder direkt in der Objektansicht des Versteigerungspilots.

Fazit

Der Bodenrichtwert ist bei Zwangsversteigerungen weit mehr als eine theoretische Kennzahl. Er hilft, den Wert eines Objekts besser zu verstehen und Risiken realistischer einzuschätzen. Der Bodenwertanteil zeigt, welcher Teil des Verkehrswerts rechnerisch auf den Grund und Boden entfällt. Je höher dieser Anteil, desto stärker wird der Wert durch das Grundstück getragen – und desto weniger hängt die Bewertung allein vom möglicherweise schwer prüfbaren Gebäudezustand ab. Der Bodenrichtwert ersetzt keine vollständige Bewertung – aber er zeigt, wie viel Substanzwert im Grundstück steckt.