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Steuern bei Zwangsversteigerungen · Artikel 01

Grunderwerbsteuer bei Zwangsversteigerung: Bemessungsgrundlage, Beispiele und typische Fehler

Bei einer Zwangsversteigerung fällt grundsätzlich Grunderwerbsteuer an. § 9 GrEStG stellt beim Meistgebot ausdrücklich auch auf bestehenbleibende Rechte ab. Die grunderwerbsteuerliche Gegenleistung kann deshalb höher sein als das sichtbare Gebot.

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Hinweis: Alle Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerliche Folgen hängen vom Einzelfall, dem Bundesland und der konkreten Verfahrenssituation ab. Vor dem Gebot und vor Zahlung der Grunderwerbsteuer sollte ein Steuerberater eingebunden werden. Stand: 28. September 2026.

Auf einen Blick

Grunderwerbsteuer entsteht immer – auch ohne notariellen Kaufvertrag. Die Bemessungsgrundlage umfasst Meistgebot plus bestehenbleibende Rechte. Der Steuerbescheid kommt vom Finanzamt. Ohne Unbedenklichkeitsbescheinigung erfolgt keine Grundbucheintragung.

Rechner

Grunderwerbsteuer berechnen – für jedes Bundesland

Bundesland wählen, Meistgebot eintragen, bestehenbleibende Rechte ergänzen: Der Rechner folgt dem Gesetz. Bemessungsgrundlage ist das Meistgebot einschließlich der bestehenbleibenden Rechte (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG). Daneben stehen alle 16 Länder mit ihrem Satz. Die Felder sind mit dem Praxisbeispiel 1 vorbelegt, „Leeren“ räumt sie weg.

01 — Ihre Angaben

6,5 %

Maßgeblich ist das Land, in dem das Grundstück liegt – nicht Ihr Wohnsitz.

Der Betrag, den Sie im Termin bieten (Bargebot).

Wert der Rechte, die Sie übernehmen, z. B. eine Grundschuld oder ein Wohnrecht. Sie gehören zur Gegenleistung (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG). Mehr zu bestehenbleibenden Rechten

Bundesland auf der Karte

Jede Kachel ist ein Land, Farbe und Zahl zeigen den Satz. Tippen Sie eine Kachel an, um das Land zu wechseln.

Bundesland auf der Karte wählen

02 — Ihre Grunderwerbsteuer

Beispielwerte

Nordrhein-Westfalen· 6,5 %

6,5 % von 280.000 € Gegenleistung, abgerundet auf volle Euro.

= 7,3 % Ihres Meistgebots

Grunderwerbsteuer in Nordrhein-Westfalen: 18.200 € bei 6,5 % auf 280.000 €.

Meistgebot
250.000 €
+ Bestehenbleibende Rechte
30.000 €
= Gegenleistung (Bemessungsgrundlage)
280.000 €
× Steuersatz Nordrhein-Westfalen
6,5 %
= Grunderwerbsteuer
18.200 €
Die Rechte erhöhen die Steuer um 1.950 €. Ohne sie wären es 16.250 €. Wer nur das Meistgebot ansetzt, kalkuliert zu niedrig.

Fällig einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids (§ 15 GrEStG). Mehr zu Fälligkeit und Grundbuch

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Modellrechnung nach Ihren Angaben. Verbindlich ist der Steuerbescheid des Finanzamts. Keine Steuerberatung.

Ländervergleich

Bei 280.000 € Gegenleistung macht das Bundesland bis zu 8.400 € Steuer aus.

So viel Grunderwerbsteuer wäre es mit Ihren Zahlen in jedem Land.

  1. 3,5 %Bayern9.800 €−8.400 €
  2. 5,0 %Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen14.000 €−4.200 €
  3. 5,5 %Bremen, Hamburg, Sachsen15.400 €−2.800 €
  4. 6,0 %Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern16.800 €−1.400 €
  5. 6,5 %Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-HolsteinIhr Land18.200 €

So rechnet der Rechner

  1. Gegenleistung. Meistgebot plus bestehenbleibende Rechte (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG).

  2. Steuer. Gegenleistung × Satz des Landes, abgerundet auf volle Euro (§ 11 GrEStG).

  3. Steuerfrei bis 2.500 €. Übersteigt die Gegenleistung diesen Betrag nicht, fällt keine Steuer an (§ 3 Nr. 1 GrEStG).

  4. Nicht berücksichtigt. Weitere Befreiungen (§§ 3 bis 6 GrEStG) und die Bewertung der Rechte durch das Finanzamt. Den Wert der Rechte setzen Sie selbst an.

Die Länder setzen die Sätze selbst fest (Art. 105 Abs. 2a GG). Stand Oktober 2026, geprüft an den amtlichen Quellen der Länder. Modellrechnung ohne Gewähr; verbindlich ist der Steuerbescheid des Finanzamts.

Grundlagen

Warum die Grunderwerbsteuer bei Zwangsversteigerungen besonders ist

Beim klassischen Immobilienkauf entsteht die Grunderwerbsteuerpflicht durch den notariellen Kaufvertrag. Bei einer Zwangsversteigerung gibt es keinen solchen Vertrag. Der Erwerb vollzieht sich über den Zuschlagsbeschluss des Vollstreckungsgerichts (§ 90 ZVG). Das Grunderwerbsteuergesetz regelt diesen Sonderfall ausdrücklich: Steuerpflichtig ist bereits das Meistgebot (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG), der Eigentumsübergang durch den Zuschlag nicht noch einmal (Nr. 3 Buchst. c).

Die Besonderheit liegt in der Bemessungsgrundlage: Während beim freihändigen Kauf der vereinbarte Kaufpreis maßgeblich ist, stellt § 9 GrEStG beim Zwangsversteigerungserwerb auf das Meistgebot einschließlich der bestehenbleibenden Rechte ab. Bieter, die nur das Bargebot kalkulieren, unterschätzen die tatsächliche GrESt-Last im Einzelfall erheblich.

Ein weiterer Unterschied: Die GrESt-Erklärungspflicht entsteht automatisch durch die Mitteilung des Gerichts an das Finanzamt. Der Bieter muss keine eigene Erklärung einreichen – er erhält jedoch einen Steuerbescheid und muss die Steuer innerhalb der gesetzlichen Frist zahlen. Erst dann stellt das Finanzamt die für die Grundbucheintragung erforderliche Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.

Abschnitt 1

Rechtlicher Kern

Die nachfolgende Tabelle fasst die für Zwangsversteigerungen relevanten Normen des GrEStG zusammen. Eine vollständige rechtliche Prüfung erfordert stets den Blick auf den Einzelfall.

NormBedeutung für Zwangsversteigerungen
§ 1 Abs. 1 Nr. 4 GrEStGErwerb durch Zuschlag im Zwangsversteigerungsverfahren als steuerpflichtiger Vorgang
§ 8 GrEStGBemessungsgrundlage: grundsätzlich der Wert der Gegenleistung
§ 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStGBei Zwangsversteigerung: Gegenleistung = Meistgebot + bestehenbleibende Rechte
§ 11 GrEStGBundesweiter Grundsatz 3,5 %; die Länder setzen abweichende Sätze durch eigenes Landesrecht fest (3,5 % bis 6,5 %)
§ 13 GrEStGSteuerschuldner: grundsätzlich der Erwerber (Meistbietende)
§ 15 GrEStGFälligkeit: einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids
§ 22 GrEStGUnbedenklichkeitsbescheinigung: Voraussetzung für Grundbucheintragung

Abschnitt 2

Meistgebot, Bargebot und grunderwerbsteuerliche Gegenleistung

Im Versteigerungsverfahren werden mehrere Begriffe verwendet, die steuerlich unterschiedlich relevant sind. Die Verwechslung dieser Begriffe ist eine der häufigsten Ursachen für eine falsche GrESt-Kalkulation.

BegriffBedeutung
MeistgebotDas höchste im Versteigerungstermin abgegebene Gebot; bildet die Grundlage des Zuschlagsbeschlusses
BargebotDer bar zu zahlende Betrag – im Termin wird bar geboten, das Meistgebot ist also das Bargebot; bestehen bleibende Rechte kommen hinzu
Bestehenbleibende RechteRechte (z. B. Grundschulden, Grunddienstbarkeiten), die nach § 52 ZVG nicht durch den Zuschlag erlöschen, sondern bestehen bleiben
Grunderwerbsteuerliche GegenleistungMeistgebot plus bestehenbleibende Rechte – diese Summe bildet die Bemessungsgrundlage für die GrESt
GesamtkapitalbedarfBargebot plus GrESt plus Nebenkosten (Zuschlagsgebühr, Grundschuldbestellung) plus ggf. Sanierungspuffer

Praxisbeispiel 1

Bestehenbleibendes Recht erhöht die Bemessungsgrundlage

Das folgende Beispiel zeigt, wie ein bestehenbleibendes Recht die GrESt-Bemessungsgrundlage und damit die Steuerlast beeinflusst. Alle Zahlen sind illustrativ; steuerliche Einordnung im Einzelfall mit Steuerberater klären.

PositionBetrag
Meistgebot250.000 €
Bestehenbleibendes Recht (Grundschuld)30.000 €
GrESt-Gegenleistung280.000 €
GrESt bei 6,5 % (z. B. NRW)18.200 €

Im Vergleich: Würde nur das Meistgebot von 250.000 € als Bemessungsgrundlage angesetzt, ergäbe sich eine GrESt von 16.250 € (bei 6,5 %). Durch das bestehenbleibende Recht erhöht sich die tatsächliche Steuerlast im Beispiel um 1.950 Euro. Bei niedrigeren Bundesland-Sätzen ist der Unterschied geringer; das Prinzip gilt aber in allen Bundesländern gleichermaßen.

Praxisbeispiel 2

Unterschied nach Bundesland

Der GrESt-Satz variiert je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 %. Bei identischer Gegenleistung kann die Steuerbelastung erheblich abweichen.

Gegenleistung3,5 % (z. B. Bayern)5,0 % (z. B. NDS)6,5 % (z. B. NRW)
200.000 €7.000 €10.000 €13.000 €
300.000 €10.500 €15.000 €19.500 €
500.000 €17.500 €25.000 €32.500 €

Beispielrechnung, keine Steuerberatung. Sätze Stand September 2026; Änderungen durch Bundesländer sind möglich.

Abschnitt 3

Steuerschuldner und Fälligkeit

Steuerschuldner ist nach § 13 GrEStG grundsätzlich der Erwerber – also der Meistbietende. Das Gericht meldet den Erwerb nach dem Zuschlag an das zuständige Finanzamt. Dieses setzt die Grunderwerbsteuer durch Steuerbescheid fest.

Die GrESt-Schuld entsteht mit dem Zuschlag. Fällig wird sie nach § 15 GrEStG einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids – bis dahin ist die Steuer zu entrichten.

Praxis: Zwischen Zuschlag und Steuerbescheid können mehrere Wochen vergehen. Es empfiehlt sich, die GrESt bereits bei der Eigenkapitelplanung vollständig vorzuhalten – unabhängig davon, wann der Bescheid eintrifft. Bei Unsicherheit über die korrekte Bemessungsgrundlage (z. B. wegen bestehenbleibender Rechte) sollte frühzeitig ein Steuerberater eingebunden werden.

Abschnitt 4

Unbedenklichkeitsbescheinigung

Das Grundbuchamt darf den Zuschlag erst dann im Grundbuch eintragen, wenn das Finanzamt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nach § 22 GrEStG ausgestellt hat. Diese wird erteilt, wenn die Grunderwerbsteuer gezahlt ist oder wenn sichergestellt ist, dass keine GrESt anfällt.

Für den praktischen Ablauf bedeutet das: Solange die GrESt nicht bezahlt ist, bleibt die Grundbucheintragung aus. Das kann die Refinanzierung durch eine Bank verzögern, weil viele Kreditinstitute auf die Grundbucheintragung als Sicherungsbedingung bestehen. Die Zahlung der GrESt und die Einholung der Unbedenklichkeitsbescheinigung sollten daher zügig erfolgen (§ 90 ZVG).

Checkliste

Checkliste vor Gebot

  • ✓Bestehenbleibende Rechte aus dem Zwangsversteigerungsbeschluss entnommen und bewertet
  • ✓Grunderwerbsteuerliche Gegenleistung berechnet (Meistgebot + Rechte)
  • ✓GrESt-Satz des jeweiligen Bundeslandes geprüft
  • ✓GrESt in der Eigenkapitelplanung vollständig berücksichtigt
  • ✓Zeitplan für GrESt-Zahlung und Unbedenklichkeitsbescheinigung bekannt
  • ✓Finanzierungszusage der Bank liegt vor, die den Zeitplan abdeckt
  • ✓Steuerberater über geplanten Erwerb informiert – insbesondere bei Rechten > 10.000 €

Häufige Fehler

Häufige Fehler

FehlerFolge
GrESt nur auf Bargebot berechnetSteuerlast unterschätzt; Eigenkapitallücke nach Steuerbescheid
Bestehenbleibende Rechte nicht erkanntZu niedriger Kapitalbedarf geplant; Finanzierungsengpass möglich
GrESt nicht in Liquiditätsplanung eingeplantSteuerbescheid kommt unerwartet; Zahlungsengpass nach Zuschlag
Falschen Steuersatz des Bundeslandes verwendetFehlerhafte Kostenkalkulation – Differenz kann mehrere tausend Euro betragen
Unbedenklichkeitsbescheinigung verzögertGrundbucheintragung verzögert; Bank kann Darlehen erst später auszahlen
Einspruchsfrist gegen Steuerbescheid verpasstFalscher Bescheid (z. B. überhöhte Bewertung der Rechte) wird bestandskräftig

Abschnitt 5

Was in die Bemessungsgrundlage hineinrutschen kann

Die GrESt-Bemessungsgrundlage umfasst nicht nur das Meistgebot. Im Einzelfall können weitere Positionen die grunderwerbsteuerliche Gegenleistung erhöhen.

PositionWarum prüfen
MeistgebotImmer Bestandteil der Gegenleistung – Ausgangspunkt der Berechnung
Bestehenbleibende Rechte (§ 9 GrEStG)Erhöhen die Gegenleistung; Wert aus dem Versteigerungstermin oder Gutachten entnehmen
Zusätzliche Verpflichtungen des ErwerbersFalls im Zuschlag weitere Lasten übernommen werden, können diese zur Gegenleistung zählen
Zubehör und InventarWenn Einrichtungsgegenstände ausdrücklich zum Erwerb gehören, kann ihr Wert einzubeziehen sein
Übernommene Lasten und RückständeHausgeldnachzahlungen oder andere Rückstände können im Einzelfall die Gegenleistung erhöhen
Abtretung von ForderungenWenn gleichzeitig Mietforderungen abgetreten werden, kann das relevant sein
GesellschaftsstrukturenErwerb von Anteilen an grundbesitzenden Gesellschaften unterliegt ggf. § 1 Abs. 2a/3 GrEStG

Praxisfall

Bieter rechnet nur mit dem sichtbaren Gebot

Ein häufiger Fehler in der Praxis: Der Bieter kennt das Meistgebot, übersieht aber ein bestehenbleibendes Recht. Das folgende Zahlenbeispiel zeigt die Auswirkung auf die GrESt.

PositionBetrag
Meistgebot310.000 €
Bestehenbleibendes Recht (Grundschuld)40.000 €
Grunderwerbsteuerliche Gegenleistung350.000 €
GrESt bei 5,0 % (z. B. Niedersachsen)17.500 €
GrESt bei 6,5 % (z. B. NRW)22.750 €

Wer nur 310.000 € als Bemessungsgrundlage ansetzt, kommt bei 6,5 % auf 20.150 €. Die tatsächliche Steuerlast beträgt jedoch 22.750 € – eine Differenz von 2.600 Euro. Das ist kein Randproblem; bei höheren Rechten oder höherwertigen Objekten kann der Unterschied deutlich größer ausfallen.

Steuerberater-Fragen

Fragen an den Steuerberater

  • ?Welchen Wert haben die bestehenbleibenden Rechte – und wie werden sie für die GrESt bewertet?
  • ?Gibt es Gestaltungsmöglichkeiten, um die Bemessungsgrundlage korrekt zu ermitteln?
  • ?Wann ist die GrESt fällig, und wie lange dauert die Ausstellung der Unbedenklichkeitsbescheinigung?
  • ?Besteht Anlass, gegen den Steuerbescheid Einspruch einzulegen?
  • ?Welche GrESt-Sätze gelten in meinem Bundesland für das konkrete Objekt?
  • ?Wie wirkt die GrESt auf die Gesamtfinanzierung und Eigenkapitelplanung?

Steuersätze

Grunderwerbsteuersätze nach Bundesland

BundeslandGrunderwerbsteuerSteuer bei 250.000 €
Bayern3,5 %8.750 €
Baden-Württemberg5,0 %12.500 €
Niedersachsen5,0 %12.500 €
Rheinland-Pfalz5,0 %12.500 €
Sachsen-Anhalt5,0 %12.500 €
Thüringen5,0 %12.500 €
Bremen5,5 %13.750 €
Hamburg5,5 %13.750 €
Sachsen5,5 %13.750 €
Berlin6,0 %15.000 €
Hessen6,0 %15.000 €
Mecklenburg-Vorpommern6,0 %15.000 €
Brandenburg6,5 %16.250 €
Nordrhein-Westfalen6,5 %16.250 €
Saarland6,5 %16.250 €
Schleswig-Holstein6,5 %16.250 €

Sätze Stand September 2026. Bundesländer können die Sätze ändern. Steuer berechnet auf die grunderwerbsteuerliche Gegenleistung (Meistgebot + bestehenbleibende Rechte) – nicht nur auf das Bargebot.

Alle weiteren Nebenkosten bei Zwangsversteigerungen: Nebenkosten bei Zwangsversteigerungen – vollständige Übersicht

FAQ

Häufige Fragen

Fällt Grunderwerbsteuer auch ohne Kaufvertrag an?

Ja. § 1 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG erfasst ausdrücklich den Erwerb durch Zuschlag im Zwangsversteigerungsverfahren. Ein notarieller Kaufvertrag ist keine Voraussetzung für die GrESt-Pflicht.

Gilt die GrESt nur auf das Bargebot?

Nein. Die GrESt-Bemessungsgrundlage umfasst nach § 9 Abs. 1 Nr. 4 GrEStG das Meistgebot zuzüglich bestehenbleibender Rechte. Wer nur das bar gezahlte Gebot ansetzt, unterschätzt die Steuer.

Wann wird die Grunderwerbsteuer fällig?

Die Steuerschuld entsteht mit dem Zuschlag. Der Steuerbescheid ergeht durch das Finanzamt; die Fälligkeit richtet sich nach dem Bescheid – üblicherweise einen Monat nach Bekanntgabe.

Welchen GrESt-Satz muss ich anwenden?

Den Satz des Bundeslandes, in dem das Grundstück liegt. Die Sätze variieren aktuell zwischen 3,5 % (Bayern) und 6,5 % (Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein).

Quellen & Rechtsgrundlagen

GrEStG §§ 1, 8, 9, 11, 13, 15, 22 · EStG §§ 6, 7, 9, 21, 23 · ZVG §§ 49, 57, 90 · BMF: Arbeitshilfe zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises. Stand: 28. September 2026.

Begriffe in diesem Artikel

Zum vollständigen Glossar
Meistgebot
Das höchste im Versteigerungstermin abgegebene Gebot. Es führt nicht automatisch zum Eigentum — dafür braucht es den Zuschlag des Gerichts.
Bestehenbleibende Rechte
Rechte Dritter, die der Zuschlag nicht löscht — sie werden vom Ersteher übernommen und mindern den wirtschaftlichen Wert des Gebots.
Zuschlag
Der gerichtliche Beschluss, mit dem der Ersteher Eigentümer wird — unmittelbar und ohne Grundbucheintragung (§ 90 ZVG).
Bargebot
Der bar zu zahlende Betrag (§ 49 ZVG). Im Termin wird bar geboten; die bestehen bleibenden Rechte übernimmt der Ersteher zusätzlich, sie werden nicht bar gezahlt.
§ 90 ZVG
Die Norm, nach der das Eigentum mit dem Zuschlag übergeht — nicht erst mit der Eintragung im Grundbuch.

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