Zum Inhalt springen
Zurück zu Due Diligence

Due Diligence · Marktanalyse

Marktanalyse lesen: ein Beispiel, Schritt für Schritt

Die Marktanalyse stellt ein Objekt aktuell verlangten Angebotspreisen gegenüber, nicht nur dem Wert aus dem Gutachten. Dieser Artikel nimmt eine Beispielanalyse auseinander: Sie scrollen, rechts erscheint der jeweilige Ausschnitt, links steht, wie Sie ihn lesen und was Sie daraus mitnehmen.

Stand: 15. Oktober 2026 · Lesezeit etwa 10 Minuten

Vorab

Drei Regeln, bevor Sie anfangen

  1. 1. Drei Preise, nicht verwechseln. Der Verkehrswert ist die Schätzung des Gerichts. Der Angebotspreis ist der Wunsch eines Verkäufers. Der Kaufpreis ist, was tatsächlich gezahlt wird. Die Analyse zeigt die ersten beiden.
  2. 2. Jede Zahl hat eine Herkunft. Gutachten, Terminsbestimmung, gerechnet im Code oder Standortdatenbank. Die Herkunft steht dabei, Fehlendes wird nicht erfunden.
  3. 3. Sie ersetzt keine eigene Prüfung. Gutachten lesen, Grundbuch prüfen, besichtigen, das Gericht fragen. Die Analyse spart Recherche, nicht Sorgfalt.

Zum Beispiel

Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in „Musterstadt“

Die Zahlen stammen aus einer echten Analyse (Eigentumswohnung, Zwangsvollstreckung, Nordrhein-Westfalen, Stand 15.10.2026) und sind in sich stimmig. Straße, Ort, Stadtteil, Aktenzeichen, Gericht, Termin, Sachverständiger und die Adressen und Links der Inserate sind verfremdet. Gezeigt werden Ausschnitte; die echte Analyse ist ein mehrseitiges PDF.

  1. Seite 1 · Deckblatt

    Das Deckblatt: Verfahren und Termin

    Oben steht, worum es geht. Der rot hinterlegte Kasten ist der wichtigste Teil des Deckblatts: Er nennt den Termin und sagt, ob es voraussichtlich der erste ist.

    • 1Aktenzeichen. Damit finden Sie das Verfahren beim Amtsgericht. Jede Rückfrage dort beginnt mit ihm.
    • 2Termin. Datum, Uhrzeit, Ort und Saal stammen aus der amtlichen Terminsbestimmung. Säle und Zeiten können sich ändern.
    • 3„voraussichtlich 1. Termin“. Das entscheidet über die Wertgrenzen im nächsten Schritt. „Voraussichtlich“ heißt: Sicher weiß es nur das Gericht, deshalb steht „beim Gericht verifizieren“ dabei. Der Beleg darunter zeigt, wo die Analyse nachgesehen hat.
    • 4Stand der Analyse. Inserate ändern sich täglich, das Datum zeigt, wie frisch die Recherche ist.

    Bestätigen Sie Termin und Saal immer beim Amtsgericht, bevor Sie anreisen.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    Marktanalyse Zwangsversteigerung

    Eigentumswohnung (1 bis 2 Zimmer) · Musterstraße 12, 12345 Musterstadt

    Stadtteil
    Musterviertel
    Aktenzeichen
    112 K 34/26
    Amtsgericht
    Amtsgericht Musterstadt

    Versteigerungstermin

    2Donnerstag, 14.01.2027, 10:00 Uhr

    Gerichtsstraße 1, 12345 Musterstadt · Saal/Zimmer: 1. Etage, Sitzungssaal 1.02

    3voraussichtlich 1. Termin – beim Gericht verifizieren

    Beleg: Weder in der Terminsbestimmung noch im Gutachten finden sich Hinweise auf einen vorangegangenen Versteigerungstermin.

    Unsere Daten: kein früherer Termin im Verlauf und kein Vermerk „Wertgrenzen weggefallen“ im Portaltext.

    4Stand der Analyse: 15.10.2026. Ausgewertet wurden Terminsbestimmung, Exposé und Verkehrswertgutachten. Alle Gutachtenzahlen sind übernommen, nicht geschätzt.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 1

  2. Seite 1 · Teil 1

    Objektdaten: Was über die Wohnung bekannt ist

    Die Tabelle fasst zusammen, was aus Gutachten und Terminsbestimmung bekannt ist. Hinter jedem Wert steht seine Herkunft. Fehlt eine Angabe, steht „nicht im Gutachten angegeben“: Die Analyse schätzt nichts dazu.

    • 1Wohnfläche. Auf ihr beruhen alle €/m²-Zahlen der Analyse (Verkehrswert geteilt durch Wohnfläche).
    • 2Nutzung. Wer in der Wohnung lebt, entscheidet über Räumung und Mietvertrag. Ein Mietverhältnis geht auf den Ersteher über, mit einem gesetzlichen Sonderkündigungsrecht und den üblichen Einschränkungen des Mietrechts (§§ 57, 57a ZVG).
    • 3Hausgeld. Die laufende Belastung. Ob Rückstände bestehen, steht oft nicht im Gutachten; deshalb taucht die Frage später in den offenen Punkten auf (mehr dazu: Hausgeldrückstände).
    • 4Verkehrswert und Sicherheitsleistung. Der Verkehrswert ist vom Gericht festgesetzt. Bieter müssen 10 % davon als Sicherheit nachweisen, hier 12.250 €.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    1 Objektdaten

    MerkmalAngabe
    ObjektartEigentumswohnung (Gutachten)
    Baujahrca. 1955 (Gutachten)
    1Wohnfläche48,61 m² (Gutachten)
    Zimmer / Etage2 Zimmer, 2. Obergeschoss rechts (Gutachten)
    Miteigentumsanteil83/1.000 (Terminsbestimmung)
    EnergieklasseE, 147,7 kWh/(m²a) (Gutachten)
    2NutzungSoweit feststellbar bewohnt; Miethöhe nicht bekannt (Gutachten)
    3Hausgeld und RücklageHausgeld 188 € monatlich; Rücklage nicht im Gutachten angegeben
    4Verkehrswert122.500 € (Terminsbestimmung)
    Sicherheitsleistung (10 %)12.250 € (10 % des Verkehrswerts)
    VerfahrensartVersteigerung im Wege der Zwangsvollstreckung

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 1

  3. Seite 2 · Teil 2

    Wertgrenzen: Ab wann der Zuschlag scheitern kann

    Zwei gesetzliche Schutzgrenzen hängen am Verkehrswert. Die Tabelle rechnet sie in Euro und in €/m² aus.

    • 1100 %. Der Verkehrswert, Bezugsgröße für alles Weitere.
    • 270 % (§ 74a ZVG). Bleibt das Meistgebot darunter, kann ein Berechtigter beantragen, den Zuschlag zu versagen.
    • 350 % (§ 85a ZVG). Unter dieser Grenze versagt das Gericht den Zuschlag von Amts wegen.
    • 4Der Kasten „Für diesen Termin“. Im ersten Termin gelten beide Grenzen. Wurde der Zuschlag früher schon einmal aus diesen Gründen versagt, entfallen sie im nächsten Termin (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 ZVG). Darum die Frage nach dem Termin auf dem Deckblatt. In einer Teilungsversteigerung gilt die 70-%-Grenze in der Regel nicht; die Analyse sagt das im Kasten.

    Die Grenzen sind keine Gebotsempfehlung, sie zeigen nur, ab wann der Zuschlag versagt werden kann. Mehr dazu in Wertgrenzen bei der Zwangsversteigerung, rechnen können Sie mit dem Zuschlagsgrenzen-Check.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    2 Wertgrenzen

    AnteilBetrag€/m² Wohnfl.Bedeutung
    1100 %122.500 €2.520Verkehrswert, vom Gericht festgesetzt.
    270 %85.750 €1.764§ 74a ZVG: Versagung nur auf Antrag eines Berechtigten; entfällt nach früherer Versagung.
    350 %61.250 €1.260§ 85a ZVG: Versagung von Amts wegen; entfällt nach früherer Versagung.

    4Für diesen Termin: Da es sich um ein Verfahren der Zwangsvollstreckung und voraussichtlich um den ersten Termin handelt, kommen die gesetzlichen Wertgrenzen grundsätzlich zur Anwendung. Ob sie im Termin tatsächlich greifen, ist vor dem Bieten beim Amtsgericht zu verifizieren.

    Sicherheitsleistung (10 % des Verkehrswerts): 12.250 €. Wohnfläche für €/m²: 48,61 m².

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 2

  4. Seite 2 · Teil 3

    Vorteile und Nachteile: Was das Gutachten hergibt

    Links in Grün, was für das Objekt spricht, rechts in Rot, was dagegen spricht. Alles stammt aus dem Gutachten und trägt eine Fundstelle.

    • 1Vorteile. Nüchtern und belegt, keine Werbesprache. Sie zeigen, was den Wert trägt: Raumaufteilung, Anbindung, keine Mietbindung.
    • 2Nachteile. Das sind Ihre Rechenposten: Feuchtigkeit im Keller, eine kurze Restnutzungsdauer und die fehlende Innenbesichtigung gehören in Ihre eigene Kalkulation.

    Geprüft wird, dass jede Aussage im Gutachten steht, nicht, ob der Gutachter fachlich richtig lag. Das Gutachten selbst zu lesen bleibt Pflicht (So lesen Sie das Verkehrswertgutachten).

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    3 Vorteile und Nachteile

    Jede Aussage trägt eine Fundstelle; die Seitenzahl wurde im Gutachtentext nachgeprüft.

    1Vorteile

    • Die Raumaufteilung entspricht den gängigen Anforderungen an 2-Zimmer-Wohnungen. (Gutachten)
    • Bus und Straßenbahn halten direkt in der Straße oder in fußläufiger Nähe. (Gutachten)
    • Für die Wohnung bestehen keine öffentlich-rechtlichen Belegungs- oder Mietbindungen. (Gutachten)
    • Laut Hausverwaltung liegen keine wertbeeinflussenden Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft vor. (Gutachten)

    2Nachteile

    • Die Wohnung konnte im Inneren nicht besichtigt werden. (Gutachten)
    • Das Mauerwerk im Kellerbereich weist Feuchtigkeitsschäden auf. (Gutachten)
    • Wegen des Gebäudealters von 71 Jahren verbleibt eine Restnutzungsdauer von 15 Jahren. (Gutachten)
    • Die Wohnung im zweiten Obergeschoss ist nur über das Treppenhaus ohne Aufzug erreichbar. (Gutachten)

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 2

  5. Seite 3 · Teil 3

    Auffälligkeiten: Wo der Gutachter Spielraum hatte

    Dieser Block zeigt, wie der Verkehrswert zustande kam und an welchen Stellen Annahmen ihn bewegt haben.

    • 1Ertragswert unter Verkehrswert. Als Mietobjekt gerechnet wäre die Wohnung mit 83.400 € rund ein Drittel weniger wert als der festgesetzte Verkehrswert. Für Kapitalanleger ist das ein Warnzeichen.
    • 2Gebäudefaktoren statt Vergleichspreisen. Weil zeitnahe Kaufpreise fehlten, wurde hochgerechnet. Das ist üblich, aber unsicherer.
    • 3Keine Innenbesichtigung. Der Gutachter unterstellt einen mangelfreien Zustand. Ist die Wohnung innen schlechter, trägt das Risiko der Ersteher. Warum sich ein Termin zur Besichtigung lohnt, steht dort.

    Der Verkehrswert ist eine Schätzung zu einem Stichtag, keine Zusage über einen Marktpreis.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    Auffälligkeiten in der Wertermittlung

    • 1Der Verkehrswert wurde ausschließlich aus dem Vergleichswertverfahren übernommen; der berechnete Ertragswert liegt mit 83.400 € deutlich darunter. (Gutachten)
    • 2Wegen fehlender zeitnaher Vergleichspreise wurde der Vergleichswert über Gebäudefaktoren ermittelt. (Gutachten)
    • 3Aufgrund der fehlenden Innenbesichtigung unterstellte der Gutachter einen mangelfreien Zustand der Innenräume. (Gutachten)

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 3

  6. Seite 4 · Teil 4

    Vergleichsobjekte: Was Ähnliches aktuell kostet

    Die Frage hinter der Tabelle: Was verlangen Verkäufer gerade für ähnliche Wohnungen in der Nähe? Gesucht wird per Websuche, zuerst im gleichen Stadtteil, dann in angrenzenden.

    • 1Recherche-Datum und Reihenfolge. Je näher ein Inserat, desto aussagekräftiger.
    • 2Die Zeilen. Preis ist der Angebotspreis, €/m² ist Preis geteilt durch Fläche. In der echten Analyse steht je Inserat der Link und ein Vermerk, ob der Preis auf der Seite bestätigt oder nur aus dem Suchergebnis übernommen wurde.

    Lesen Sie die Spalte „Zustand“: Vergleichen Sie Gleiches mit Gleichem, also Fläche, Baujahr, Zustand und ob vermietet oder frei. Im Beispiel sind sieben von neun Wohnungen vermietet; frei und hochwertig saniert liegen die Preise deutlich höher.

    Angebotspreise sind Wunschpreise der Verkäufer, keine Kaufpreise.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    4 Vergleichsobjekte

    1Aktuelle Kaufangebote, Recherche am 15.10.2026 per Websuche. Zuerst der gleiche Ortsteil, dann angrenzende Ortsteile.

    PortalLageFlächeZustandPreis€/m²
    KleinanzeigenMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    53,5 m²
    2 Zi.
    ca. 1952, gepflegt, vermietet190.000 €3.551
    KleinanzeigenMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    53 m²
    2 Zi.
    ca. 1952, gepflegt, vermietet187.000 €3.528
    KleinanzeigenMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    51,5 m²
    2 Zi.
    ca. 1952, gepflegt, vermietet149.000 €2.894
    KleinanzeigenMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    61,9 m²
    2 Zi.
    ca. 1952, gepflegt, vermietet215.000 €3.474
    ImmoweltMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    40 m²
    1 Zi.
    1950, gepflegt, vermietet119.000 €2.975
    ImmoScout24Musterviertel
    gleicher Stadtteil
    48 m²
    2 Zi.
    gepflegt, vermietet199.000 €4.146
    ImmoweltMusterviertel
    gleicher Stadtteil
    60,2 m²
    2 Zi.
    1936, modernisiert, frei289.000 €4.802
    ImmoweltNachbarviertel
    angrenzend
    57,2 m²
    2 Zi.
    modernisierungsbedürftig, vermietet229.000 €4.003
    KleinanzeigenNachbarviertel
    angrenzend
    50 m²
    2 Zi.
    1974, hochwertig saniert259.000 €5.180

    2In der echten Analyse steht zu jedem Inserat eine Kurzbeschreibung, der Link und ein Vermerk, ob der Preis auf der Seite bestätigt oder nur aus dem Suchergebnis übernommen wurde.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 4

  7. Seite 5 · Teil 4

    Kennzahlen und Ausschlüsse

    Aus den Inseraten werden vier Zahlen und die Ausschlüsse gebildet.

    • 1Anzahl. Je mehr Angebote, desto belastbarer. Bei sehr wenigen Angeboten weist die Analyse darauf hin und zeigt Durchschnitt und Median nicht mehr aus.
    • 2Durchschnitt und Median. Der Median ist die Mitte der Reihe und weniger anfällig für Ausreißer wie die 5.180 €/m² der teuersten Wohnung.
    • 3Verkehrswert €/m². 2.520 €/m² liegen hier 29 % unter dem Median der Angebote (34 % unter dem Durchschnitt).
    • 4Referenz Stadtteil. Der Immobilienatlas zeigt das übliche Angebotsniveau im Stadtteil, hier 4.088 €/m², ebenfalls kein Kaufpreis.
    • 5Ausschlüsse. Inserate, die das Versteigerungsobjekt selbst zum Verkehrswert anbieten, fließen nicht in die Rechnung ein. Sonst würde das Objekt mit sich selbst verglichen.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    Kennzahlen und Ausschlüsse

    KennzahlWert
    1Angebote in der Berechnung9
    2Durchschnitt / Median €/m²3.839 €/m² / 3.551 €/m²
    3Verkehrswert €/m²2.520 €/m²
    4Referenz StadtteilImmobilienatlas (Musterviertel, Stand 2026): 4.088 €/m²
    Ausschlüsse

    5Ausgeschlossen: Inserat des Bewertungsobjekts selbst (Datendienst-Inserat). Grund: Zweitvermarktung des Versteigerungsobjekts zum gerichtlich festgesetzten Verkehrswert.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 5

  8. Seite 6 · Teil 5

    Markteinschätzung, Fazit und offene Punkte

    Hier werden die Zahlen in Worte gefasst. Eine Empfehlung zum Bieten enthält dieser Teil nicht.

    • 1Die Einordnung. Verkehrswert gegen Durchschnitt, Median und Atlas. Der Abstand ist normal und noch kein Schnäppchen: Angebotspreise liegen über Abschlusspreisen, und eine Zwangsversteigerung bringt Risiken mit.
    • 2Der Grauton-Hinweis. Er wiederholt, was jeder Zahl zugrunde liegt: weder Angebotspreis noch Verkehrswert sind ein Kaufpreis.
    • 3Offene Punkte vor dem Bieten. Ihre Aufgabenliste: Grundbuch prüfen (Grundbuchauszug lesen), Hausverwaltung fragen, Beschluss-Sammlung einsehen, Mietvertrag klären, Innenbesichtigung versuchen.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    5 Markteinschätzung und Fazit

    1Der gerichtlich festgesetzte Verkehrswert liegt bei 122.500 € (ca. 2.520 €/m²). Gegenüber den 9 Angebotspreisen (Durchschnitt 3.839 €/m², Median 3.551 €/m²) liegt er je Quadratmeter um 34,4 % unter dem Durchschnitt und um 29,0 % unter dem Median. Tatsächliche Kaufpreise des Gutachterausschusses sind im Gutachten als „nicht ermittelt“ ausgewiesen.

    2Angebotspreise stellen keine tatsächlich erzielten Kaufpreise dar. Ebenso ist der festgesetzte Verkehrswert kein Kaufpreis.

    3Offene Punkte vor dem Bieten
    • Grundbuchstand prüfen: Abteilung II und III, bestehende Rechte und Belastungen.
    • Hausverwaltung kontaktieren: Hausgeldrückstände, Höhe der Instandhaltungsrücklage.
    • Beschluss-Sammlung einsehen: geplante oder beschlossene Sonderumlagen.
    • Nutzungsverhältnis und Mietvertrag klären.
    • Innenbesichtigung anstreben.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 6

  9. Seite 8 · Teil 5

    Bietrahmen: Was ein Gebot Sie wirklich kostet

    Die Tabelle übersetzt Gebote in den tatsächlichen Gesamtpreis. Die Zeilen mit ◄ bilden die Gebotsspanne im nächsten Schritt.

    • 1Vorteil. Der Einstandspreis (Gebot plus alle Kosten des Erstehers) im Vergleich zu einem Kauf zum Verkehrswert ohne Makler, aber mit Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch (hier 132.300 €). Bei 104.000 € Gebot sind es 111.989 €, also 15 % weniger.
    • 2Nebenkosten im Verfahren. Grunderwerbsteuer (hier Nordrhein-Westfalen 6,5 %, in anderen Bundesländern anders), Zinsen auf das Bargebot ab dem Zuschlag und die Zuschlagsgebühr. Zusammen 7,58 %.
    • 3Nicht enthalten. Sanierung, Räumung, Rückstände und die Kosten der Grundbucheintragung. Mehr dazu in Nebenkosten bei Zwangsversteigerungen.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    Bietrahmen und Kosten des Erstehers (gerechnet)

    EinstandsvorteilGebot% VerkehrswertGebot €/m²Einstand inkl. Nebenkosten
    Gleichstand (0 %)123.000 €100 %2.530132.326 €
    5 % Vorteil117.000 €96 %2.407125.904 €
    10 % Vorteil ◄111.000 €91 %2.283119.482 €
    15 % Vorteil ◄104.000 €85 %2.139111.989 €
    20 % Vorteil ◄98.000 €80 %2.016105.567 €

    1Vorteil = Einstandspreis gegenüber einem provisionsfreien Kauf zum Verkehrswert (132.300 € inkl. Grunderwerbsteuer und Notar/Grundbuch).

    2Nebenkosten im Verfahren bei einem Gebot nahe dem Verkehrswert: Grunderwerbsteuer Nordrhein-Westfalen 6,5 % = 7.963 €, Zinsen auf das Bargebot (4 %, ca. 7 Wochen) = 660 €, Zuschlagsgebühr = 669 €; zusammen 9.291 € (7,58 %).

    3Nicht enthalten: Sanierung, Räumung, Rückstände (z. B. Hausgeld bei Wohnungen), Grundbuchkosten der Eintragung.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 8

  10. Seite 9 · Teil 5

    Gebotsspanne: Die gerechnete Orientierung

    Die Spanne wird aus dem Bietrahmen gerechnet, nicht geschätzt: alle Gebote, bei denen der Einstandspreis 10 bis 20 % unter dem Kauf zum Verkehrswert liegt.

    • 1Die Spanne. 98.000 € bis 111.000 €.
    • 2Prozent und €/m². 80 bis 91 % des Verkehrswerts, 36 bis 43 % unter dem Median der Angebote. Die Spanne liegt über beiden Wertgrenzen (61.250 € und 85.750 €).
    • 3Einstandspreis. Mit allen Kosten 10 bis 20 % unter dem Kauf zum Verkehrswert.
    • 4Die Begründung. Die Abstände bilden den Instandhaltungsbedarf und das Risiko der unbekannten Innenräume ab.

    Die Spanne ist keine Empfehlung und kein Höchstgebot. Ihr Limit hängt von Sanierung, Finanzierung und Ihrem Ziel ab.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    Gebotsspanne (Orientierung)

    Gebotsspanne (Orientierung)

    198.000 € bis 111.000 €

    2entspricht 80 % bis 91 % des Verkehrswerts, also 2.016 bis 2.283 €/m² (−43 % bis −36 % zum Median der Angebote).

    3Einstandspreis (Gebot + Grunderwerbsteuer, Zinsen, Zuschlagsgebühr) 10 bis 20 % unter dem provisionsfreien Kauf zum Verkehrswert.

    4Die Spanne berücksichtigt den bestehenden Instandhaltungsbedarf (Feuchtigkeitsschäden im Keller, Risse im Hofbelag, Restnutzungsdauer von 15 Jahren) sowie das Risiko des mangels Innenbesichtigung unbekannten Wohnungszustands.

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 9

  11. Seite 10 · Teil 7

    Standort und Risiken: Der Blick auf die Umgebung

    Der letzte Teil stammt nicht aus dem Gutachten, sondern aus amtlichen Karten und unserer Standortdatenbank, für den Punkt, an dem das Haus steht.

    • 1Tabelle. Hochwasser, Fluglärm, Straßen- und Schienenlärm, Starkregen und Luftqualität, jeweils mit Quelle und Stand.
    • 2Die Ampel. Unsere Orientierung, keine amtliche Einteilung. Beim Lärm gilt: unter 55 dB grün, 55 bis 59 gelb, 60 bis 64 orange, ab 65 dB rot. Im Beispiel ist der Straßenlärm mit 65 bis 69 dB rot.

    Grau heißt „nicht ermittelt“, nicht „kein Risiko“. Fehlt ein Wert, prüfen Sie ihn selbst bei der Gemeinde oder dem Landesamt.

    Versteigerungspilot · Marktanalyse

    Beispiel · Musterstadt

    7 Standort und Risiken

    1Aus unserer Standortdatenbank, nicht Teil des Gutachtens. Die Werte gelten für den Objektpunkt.

    ThemaBefundQuelle
    HochwasserRisiko am Objektpunkt, Details beim Landesamt prüfen.Amtliches Hochwasserrisikomanagement
    FluglärmKein Kartierwert am Objektpunkt.Amtliche Lärmkartierung
    Straßen- und SchienenlärmStraße: Lden 65–69 dB; Schiene: kein Kartierwert.Amtliche Lärmkartierung
    StarkregenFür diesen Punkt nicht ermittelt.BKG Hinweiskarte Starkregengefahren
    Luftqualitätmäßig; Jahresmittel NO₂ 32 µg/m³, PM10 20 µg/m³, PM2,5 13 µg/m³.Messstation (1,0 km)

    2Auf einen Blick: die Ampel

    Hochwasser
    nur bei Extremhochwasser

    Lärm
    hoch (Lden 65–69 dB)

    Luftqualität
    mäßig

    Starkregen
    nicht ermittelt

    Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angebotspreise sind keine Kaufpreise.

    Seite 10

Einordnung

Was die Marktanalyse nicht leistet

  • Keine Prognose des Zuschlagspreises. Wie hoch das Meistgebot im Termin ausfällt, hängt von den Bietern ab. Die Gebotsspanne ist gerechnet, nicht vorhergesagt.
  • Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Wertgrenzen und Kosten sind rechnerisch dargestellt; ob und wie sie im Termin greifen, klären Gericht und Berater.
  • Kein Ersatz für Gutachten und Besichtigung. Die Analyse fasst das Gutachten zusammen, sie ersetzt es nicht. Den Zustand der Wohnung sieht nur, wer sie besichtigt.
  • Nur so gut wie die Datenlage. Wenige oder unpassende Vergleichsangebote, fehlende Gutachtenangaben und nicht ermittelte Standortwerte sind in der Analyse ausdrücklich gekennzeichnet.

Zugang

So bekommen Sie eine Marktanalyse

Auf der Objektseite zeigt das Banner „Marktanalyse“, ob für das Objekt eine vorliegt. Ein Klick öffnet ein Fenster, über das die PDF an die E-Mail-Adresse Ihres Kontos geht. Die Marktanalyse gehört zu einem eigenen Tarif (199 € pro Monat, monatlich kündbar; die Preise und Bedingungen stehen auf der Seite Preise). Marktanalysen gibt es nur für ausgewählte Objekte.

Häufige Fragen

FAQ: Marktanalyse lesen

Wie aktuell sind die Preise der Vergleichsobjekte?

So aktuell wie der Tag der Recherche, den die Analyse im Kopf der Vergleichstabelle und auf dem Deckblatt nennt. Inserate werden verändert, verkauft oder gelöscht. Wer Wochen später bietet, sollte die Vergleichsangebote noch einmal öffnen und prüfen, ob sie noch online sind.

Warum liegt der Verkehrswert so oft unter den Angebotspreisen?

Weil Angebotspreise Wunschpreise von Verkäufern sind, die meist über den tatsächlichen Abschlusspreisen liegen, und weil der Verkehrswert das Risiko einer Zwangsversteigerung nicht ausblendet: unbekannter Zustand, bestehende Rechte, kein Gewährleistungsanspruch. Ein Abstand ist deshalb normal und noch kein Schnäppchen.

Ist die Gebotsspanne eine Empfehlung?

Nein. Sie ist eine gerechnete Orientierung: Sie zeigt, welche Gebote bei 10 bis 20 % Einstandsvorteil gegenüber einem provisionsfreien Kauf zum Verkehrswert herauskommen. Ihr persönliches Höchstgebot hängt von Sanierungskosten, Finanzierung, Ziel (Selbstnutzung oder Vermietung) und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Kann ich dem Verkehrswert im Gutachten trauen?

Er ist die Schätzung eines Sachverständigen zu einem Stichtag und vom Gericht festgesetzt, kein Marktpreis und keine Garantie. Die Marktanalyse prüft, ob jede übernommene Aussage im Gutachten steht, bewertet aber nicht, ob der Gutachter fachlich richtig lag. Deshalb stehen die Auffälligkeiten der Wertermittlung ausdrücklich in der Analyse.

Was bedeutet „Fundstelle nicht bestätigt, im Gutachten prüfen“?

Die Analyse prüft jede Gutachten-Angabe gegen den Gutachtentext. Gelingt das für eine Angabe nicht eindeutig, etwa bei schlecht lesbaren Scans, steht dieser Vermerk statt einer Seitenzahl. Der Wert kann stimmen, ist aber nicht belegt; schlagen Sie ihn im Gutachten nach.

Gibt es zu jedem Objekt eine Marktanalyse?

Nein, nur zu ausgewählten Objekten. Ob für ein Objekt eine vorliegt, zeigt das Banner „Marktanalyse“ auf der Objektseite. Die PDF geht per E-Mail an Konten mit Marktanalyse-Tarif.

Begriffe in diesem Artikel

Zum vollständigen Glossar
Verkehrswert
Der vom Gericht festgesetzte Wert der Immobilie. Er ist Bezugsgröße für Sicherheitsleistung und Wertgrenzen — nicht der zu erwartende Zuschlagspreis.
Zuschlag
Der gerichtliche Beschluss, mit dem der Ersteher Eigentümer wird — unmittelbar und ohne Grundbucheintragung (§ 90 ZVG).
§ 57a ZVG
Das Sonderkündigungsrecht des Erstehers gegenüber übernommenen Miet- und Pachtverhältnissen — mit eigener Frist und engen Grenzen.
Ersteher
Wer den Zuschlag erhalten hat und damit Eigentümer geworden ist — abzugrenzen vom bloßen Bieter oder Meistbietenden.
Geringstes Gebot
Die Untergrenze, ab der überhaupt geboten werden kann: Verfahrenskosten und vorrangige Rechte müssen gedeckt sein (§ 44 ZVG). Es besteht aus bestehenbleibenden Rechten und einem bar zu zahlenden Teil.
Meistgebot
Das höchste im Versteigerungstermin abgegebene Gebot. Es führt nicht automatisch zum Eigentum — dafür braucht es den Zuschlag des Gerichts.
Bargebot
Der bar zu zahlende Betrag (§ 49 ZVG). Im Termin wird bar geboten; die bestehen bleibenden Rechte übernimmt der Ersteher zusätzlich, sie werden nicht bar gezahlt.
Sicherheitsleistung
Die Sicherheit, die ein Bieter im Termin nachweisen muss — in der Regel 10 % des festgesetzten Verkehrswerts, in zugelassener Form und rechtzeitig geleistet.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Finanzberatung. Die gezeigte Analyse ist ein Beispiel mit verfremdeten Angaben. Maßgeblich sind die Umstände des Einzelfalls und die Beratung durch qualifizierte Stellen.

Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2026