Zum Inhalt springen

Spezialisierung als Strategie · Gewerke-Vertiefung

Elektro, Heizung, Sanitär: der planbarste Bietvorteil im Bestand

Abgängige Installationen sind der zweithäufigste Schadensschwerpunkt in den Verkehrswertgutachten unseres Bestands – nach Feuchtigkeit und Schimmel. Für Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe ist das dennoch der Block mit dem planbarsten Kalkulationsvorteil – aus zwei Gründen, nicht nur einem.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine technische oder rechtliche Beratung. Elektro- und Heizungsarbeiten unterliegen den anerkannten Regeln der Technik und, bei Heizungen, den Regeln des Gebäudemodernisierungsgesetzes (bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) – beides ist vor Gebot und vor Ausführung mit den zuständigen Fachbetrieben und Behörden zu klären. Stand: September 2026.

Auf einen Blick

Der Kostenansatz im Gutachten ist bei Haustechnik oft ein grober Vollerneuerungs-Ansatz, weil der Sachverständige die Installation nicht öffnen kann. Ein Fachbetrieb sieht beim Ortstermin mehr, kalkuliert enger – und kennt bei Heizungen zusätzlich die gesetzlichen Fristen aus eigener Praxis, nicht nur aus dem Gutachtentext.

Größenordnung

Ein großer, planbarer Block

In unserer Auswertung der aktuell bekanntgemachten Verfahren ist „Elektro, Heizung, Sanitär“ die zweithäufigste Schadenskategorie – nach Feuchtigkeit und Schimmel, aber vor Schadstoffen, Statik, Dach, Räumung und Brand. Das liegt an der Natur der Sache: Installationen altern kontinuierlich und ohne sichtbares Drama, während ein Wasserschaden auffällt. Ein Gutachter, der beim Ortstermin eine 40 Jahre alte Elektroinstallation ohne FI-Schutzschalter sieht, vermerkt das als Mangel – unabhängig davon, ob morgen etwas passiert.

Für Bieter ohne eigenes Gewerk ist das ein diffuses Risiko, das sie pauschal einpreisen. Für Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe ist es eine Positionsliste mit bekannten Einheitspreisen – und, bei der Heizung, mit bekannten Fristen obendrein.

Gutachten lesen

Was im Gutachten steht – und was nicht

Sachverständige bewerten Haustechnik überwiegend nach dem Baualter und dem äußeren Erscheinungsbild der zugänglichen Teile – Zählerschrank, Sicherungskasten, sichtbare Leitungsführung, Heizkessel-Typenschild. Was dahinter liegt, bleibt eine Annahme. Die Formulierung „Elektroinstallation augenscheinlich im Ursprungszustand, Baujahr 1968“ führt deshalb häufig zu einem pauschalen Vollerneuerungs-Ansatz für die gesamte Wohnfläche, weil das die vorsichtigere Annahme ist.

Das ist Ihr erster Vorteil: Ein Fachbetrieb kann aus denselben sichtbaren Indizien – Zählerschrank-Typ, Anzahl der Sicherungen, Leitungsquerschnitt an zugänglichen Stellen – realistischer ableiten, ob eine Teilerneuerung reicht oder eine Vollsanierung nötig ist. Das senkt nicht den Gutachten-Ansatz, aber es senkt Ihre eigene Unsicherheit darüber, ob der Ansatz zu hoch oder zu niedrig gegriffen ist.

Sonderfall Heizung

Heizung: Regeln und Förderung als Zusatzvorteil

Bei der Heizung kommt zum Kalkulationsvorteil ein zweiter hinzu, den es bei keinem anderen Gewerk in dieser Form gibt: gesetzliche Regeln und Förderbedingungen, die für jeden Eigentümer gelten und die ein Heizungsbaubetrieb aus eigener Praxis kennt, statt sie im Gutachten nachlesen zu müssen. Seit dem 29. Juli 2026 gilt dafür das Gebäudemodernisierungsgesetz: Die 65-%-Regel und das Betriebsverbot für alte Kessel sind entfallen, neue Gas- und Ölheizungen unterliegen der Biotreppe.

RegelungKernpunktBedeutung für den Bieter
§ 35 GModG Nachrüstpflicht (früher § 47 GEG)gilt grundsätzlich sofortZwei-Jahres-Frist nur bei Häusern mit höchstens zwei Wohnungen, die seit dem 1. Februar 2002 vom Eigentümer bewohnt waren (§ 35 Abs. 3)
§ 43 GModG neue Gas- oder ÖlheizungBiotreppe: mind. 10 % Bio-Anteil ab 2029, 60 % ab 2040bindet jeden Einbau nach dem 29.07.2026, auch den in Eigenregie
Alte HeizkesselBetriebsverbot (§ 72 GEG) seit 29.07.2026 gestrichenkein Zwangstausch mehr; Zustand und Förderung entscheiden

Praktisch heißt das: Ein Bieter ohne Heizungsfachwissen muss vor dem Termin extern klären lassen, wie lange ein vorgefundener Kessel noch hält und was ein Austausch kostet – als Wärmepumpe oder als Gas-/Ölheizung mit Biotreppe. Ein Heizungsbaubetrieb kennt beides sofort – und kann zusätzlich einschätzen, ob sich Fördermittel für den Austausch anbieten, was den Nettoaufwand weiter senkt. Details zu Fristen und Ausnahmen im Artikel zum Gebäudemodernisierungsgesetz.

Elektro

Elektro: Sichtprüfung ersetzt Vollerneuerungs-Ansatz

Bei Elektroinstallationen orientiert sich eine fachgerechte Ausführung an den anerkannten Regeln der Technik – in der Praxis vor allem den einschlägigen VDE-Normen. Ein Elektrobetrieb kann anhand von Baujahr, Zählerschranktyp und zugänglicher Verteilung häufig schon vor dem Zuschlag grob einordnen, ob eine punktuelle Ertüchtigung (etwa FI-Schutzschalter nachrüsten) reicht oder ob die gesamte Verteilung erneuert werden muss.

Ein Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu: Die Leitungsführung unter Putz bleibt auch für den Fachbetrieb unsichtbar, bis die erste Wand geöffnet ist. Aus Baujahr und Region lässt sich das Risiko besser einschätzen als von einem Laien – ausschließen lässt es sich nicht.

Sanitär

Sanitär: der planbarste Fall

Sanitärinstallationen sind der Fall mit der geringsten Unsicherheit in dieser Gruppe: Material und Zustand von Leitungen, Armaturen und Bädern lassen sich meist schon bei einer kurzen Besichtigung von außen realistisch einschätzen, und die Kosten hängen überwiegend von Material- und Lohnkosten ab – keine Fristen, keine Genehmigungspflichten wie bei Heizung oder Elektro. Der Vorteil für den Fachbetrieb ist hier fast ausschließlich der Materialeinkauf zum Großhandelspreis und die eigene Arbeitszeit statt einer fremd vergebenen Handwerkerstunde.

Eine Ausnahme: In Gebäuden mit Baujahr vor den 1970er-Jahren sind vereinzelt noch ältere Rohrmaterialien anzutreffen, deren Austausch aus heutiger Sicht ohnehin ansteht. Das ist ein zusätzliches Argument für eine gründliche Prüfung vor dem Gebot, nicht für einen höheren Sicherheitsabschlag im Kalkül.

Beispiel

Beispielrechnung

Ein Gutachten setzt für eine Doppelhaushälfte, Baujahr 1971, eine vollständige Elektro- und Heizungserneuerung mit 32.000 € an – ein Vollerneuerungs-Ansatz, weil der Sachverständige die Verteilung nicht öffnen konnte. Ein Elektro- und Heizungsbetrieb, der die Verteilung beim Außentermin einsehen kann, rechnet mit einer Teilerneuerung der Verteilung und einem regelkonformen Heizungstausch zu eigenen Selbstkosten von rund 17.000 €. Die Differenz von 15.000 € ist Ihr Bietspielraum aus diesem einen Gewerk – unabhängig von etwaigen Fördermitteln, die den Aufwand zusätzlich senken können. Mit den eigenen Zahlen lässt sich das im Eigenleistungs-Bietrechner nachrechnen.

Aus dem Bestand

Objekte mit diesem Schwerpunkt

Die folgende Auswertung zeigt ausschließlich Verfahren, deren Gutachten einen Schwerpunkt bei Elektro, Heizung oder Sanitär ausweist.

Aus unserem BestandStand 26.10.2026

Schadensradar: Wo Spezialisierung sich rechnet

Für 2.608 aktuell bekanntgemachte Verfahren enthält das Gutachten eine auswertbare Zustands- oder Mängelbeschreibung. 1.394 davon weisen mindestens einen der folgenden Schwerpunkte auf. Gewertet wird nur, was der Sachverständige als Befund festhält — bloße Verdachtsformulierungen zählen nicht.

Elektro, Heizung, Sanitär

524 Objekte · 240 mit Termin in 30 Tagen · Median-Verkehrswert 185.100 €

Abgängige Installationen, defekte Heizungsanlagen, erneuerungsbedürftige Elektrik. Passendes Gewerk: Elektro, SHK, Heizungsbau.

OrtObjektartBaujahrFlächeVerkehrswertTermin
CrailsheimBWEigentumswohnung (3 bis 4 Zimmer)1992124 m²247.000 €26.10.2026
DuisburgNWgemischt genutztes Gebäude (Zahnarztpraxis und Wohnung)1876160 m²211.000 €26.10.2026
KamenNWEinfamilienhaus, Doppelhaushälfte1973160 m²295.000 €26.10.2026
KirchenlamitzBYEinfamilienhaus und Schuppen, Gartengrundstück - teilweise überbaut, Gartengrundstück1955108 m²91.000 €26.10.2026
LemgoNWEinfamilienhaus1961152 m²182.000 €26.10.2026
RodgauHEEigentumswohnung (3 bis 4 Zimmer)196786 m²1.068.000 €26.10.2026
Bad EndorfBYWEG-Miteigentumsanteil, 2 Wohneinheiten1984308 m²920.000 €27.10.2026
FalkenbergBYEinfamilienhaus—104 m²120.000 €27.10.2026
HirzenhainHEEinfamilienhaus1980198 m²261.000 €27.10.2026
Ludwigshafen am RheinRPEigentumswohnung (1 bis 2 Zimmer)193651 m²88.000 €27.10.2026
MeckesheimBWGewerbeobjekt1942—923.000 €27.10.2026
Neufahrn b. FreisingBYDoppelhaushälfte, Garage1990134 m²650.000 €27.10.2026

Nächste 12 Termine von 524 — alle 524 Objekte durchsuchen.

Die Zuordnung stammt aus einer KI-Auswertung der Verkehrswertgutachten und ersetzt keine eigene Prüfung: Ein Objekt kann Schäden aufweisen, die im Gutachten nicht beschrieben sind — besonders dort, wo keine Innenbesichtigung möglich war. Welche Schäden im Einzelfall festgestellt wurden und wie der Sachverständige sie beziffert hat, steht in den Objektunterlagen. Zur Abdeckung: Baden-Württemberg, Hamburg und Bremen sind in den angebundenen Quellen unterrepräsentiert, Schleswig-Holstein ist derzeit nicht erfasst — Methodik im ZVG-Marktreport.

Realismus

Was von außen unsichtbar bleibt

Auch mit Fachwissen bleibt ein Rest Unsicherheit, den ein Sicherheitsabschlag abdecken muss: die tatsächliche Leitungsführung unter Putz, der Zustand von Steigleitungen im Gemeinschaftseigentum bei Eigentumswohnungen, und – bei Heizungen – ob der vorhandene Schornstein oder die Abgasführung für ein modernes System überhaupt geeignet ist. Der Zuschlag erfolgt ohne Gewährleistung für Sachmängel; was sich hinter der ersten Wand zeigt, tragen Sie. Kalkulieren Sie deshalb auch als Fachbetrieb mit Puffer, nur mit einem kleineren als ein Bieter ohne eigenes Gewerk.

Weiterlesen

Weiterlesen

FAQ

Häufige Fragen

Wie häufig ist Haustechnik als Schadensschwerpunkt?

In unserer Auswertung die zweithäufigste Kategorie nach Feuchtigkeit und Schimmel. Installationen altern kontinuierlich und unauffällig, während z. B. ein Wasserschaden sofort sichtbar ist – der Sachverständige vermerkt eine alte Elektroinstallation als Mangel, unabhängig davon, ob sie noch funktioniert.

Gelten die Heizungsregeln auch, wenn ich die Heizung selbst tausche?

Ja. Die Anforderungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes an neue Heizungen – etwa die Biotreppe für Gas- und Ölheizungen – gelten unabhängig davon, wer den Einbau ausführt. Eigenleistung ändert nichts an der Rechtslage, nur an den Kosten.

Reicht eine Sichtprüfung vor dem Termin, um sicher zu kalkulieren?

Nein. Sie verbessert die Schätzung gegenüber einem Laien, ersetzt aber keine Öffnung der Wände. Rechnen Sie auch als Fachbetrieb mit einem Sicherheitsabschlag für das, was Sie vor dem Zuschlag nicht sehen können.

Was ist mit dem Gemeinschaftseigentum bei Eigentumswohnungen?

Steigleitungen und zentrale Heizungsanlage gehören meist zum Gemeinschaftseigentum – Ihr Kostenvorteil bezieht sich dann nur auf das Sondereigentum, während Sanierungen am Gemeinschaftseigentum über die Eigentümerversammlung laufen.

Quellen & Datengrundlage

GModG §§ 35, 42, 43 (BGBl. 2026 I Nr. 226; bis 28.07.2026 GEG §§ 47, 71, 72) · Anerkannte Regeln der Technik für elektrische Anlagen (VDE-Normen) · Eigene Auswertung der Verkehrswertgutachten zu den öffentlich bekanntgemachten Verfahren, Stand 28. Juli 2026. Stand: September 2026.

© 2026 Versteigerungspilot · Startseite | Wissenszentrum | Objekte