Spezialisierung als Strategie · Gewerke-Vertiefung

Elektro, Heizung, Sanitär: der planbarste Bietvorteil im Bestand

Abgängige Installationen sind der zweithäufigste Schadensschwerpunkt in den Verkehrswertgutachten unseres Bestands – nach Feuchtigkeit und Schimmel. Für Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe ist das dennoch der Block mit dem planbarsten Kalkulationsvorteil – aus zwei Gründen, nicht nur einem.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine technische oder rechtliche Beratung. Elektro- und Heizungsarbeiten unterliegen den anerkannten Regeln der Technik und, bei Heizungen, den Fristen des Gebäudeenergiegesetzes – beides ist vor Gebot und vor Ausführung mit den zuständigen Fachbetrieben und Behörden zu klären. Stand: Juli 2026.

Größenordnung

Ein großer, planbarer Block

In unserer Auswertung der aktuell bekanntgemachten Verfahren ist „Elektro, Heizung, Sanitär“ die zweithäufigste Schadenskategorie – nach Feuchtigkeit und Schimmel, aber vor Schadstoffen, Statik, Dach, Räumung und Brand. Das liegt an der Natur der Sache: Installationen altern kontinuierlich und ohne sichtbares Drama, während ein Wasserschaden auffällt. Ein Gutachter, der beim Ortstermin eine 40 Jahre alte Elektroinstallation ohne FI-Schutzschalter sieht, vermerkt das als Mangel – unabhängig davon, ob morgen etwas passiert.

Für Bieter ohne eigenes Gewerk ist das ein diffuses Risiko, das sie pauschal einpreisen. Für Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe ist es eine Positionsliste mit bekannten Einheitspreisen – und, bei der Heizung, mit bekannten Fristen obendrein.

Gutachten lesen

Was im Gutachten steht – und was nicht

Sachverständige bewerten Haustechnik überwiegend nach dem Baualter und dem äußeren Erscheinungsbild der zugänglichen Teile – Zählerschrank, Sicherungskasten, sichtbare Leitungsführung, Heizkessel-Typenschild. Was dahinter liegt, bleibt eine Annahme. Die Formulierung „Elektroinstallation augenscheinlich im Ursprungszustand, Baujahr 1968“ führt deshalb häufig zu einem pauschalen Vollerneuerungs-Ansatz für die gesamte Wohnfläche, weil das die vorsichtigere Annahme ist.

Das ist Ihr erster Vorteil: Ein Fachbetrieb kann aus denselben sichtbaren Indizien – Zählerschrank-Typ, Anzahl der Sicherungen, Leitungsquerschnitt an zugänglichen Stellen – realistischer ableiten, ob eine Teilerneuerung reicht oder eine Vollsanierung nötig ist. Das senkt nicht den Gutachten-Ansatz, aber es senkt Ihre eigene Unsicherheit darüber, ob der Ansatz zu hoch oder zu niedrig gegriffen ist.

Sonderfall Heizung

Heizung: die GEG-Fristen als Zusatzvorteil

Bei der Heizung kommt zum Kalkulationsvorteil ein zweiter hinzu, den es bei keinem anderen Gewerk in dieser Form gibt: gesetzliche Fristen, die für jeden Eigentümer gelten und die ein Heizungsbaubetrieb aus eigener Praxis kennt, statt sie im Gutachten nachlesen zu müssen.

RegelungKernpunktBedeutung für den Bieter
§ 47 GEG Eigentümerwechselhäufig 2-Jahres-Frist relevantNachrüstpflicht nach Erwerb prüfen
§ 71 GEG neue Heizung65 % erneuerbare Energiebindet jeden Einbau, auch den in Eigenregie
§ 72 GEG alte Heizkesselvor 1991 bzw. nach 30 Jahren prüfenBetriebsverbot mit Ausnahmen

Praktisch heißt das: Ein Bieter ohne Heizungsfachwissen muss vor dem Termin extern klären lassen, ob ein vorgefundener Kessel unter das Betriebsverbot fällt und was ein GEG-konformer Austausch kostet. Ein Heizungsbaubetrieb kennt beides sofort – und kann zusätzlich einschätzen, ob sich Fördermittel für den Austausch anbieten, was den Nettoaufwand weiter senkt. Details zu Fristen und Ausnahmen im GEG-Artikel.

Elektro

Elektro: Sichtprüfung ersetzt Vollerneuerungs-Ansatz

Bei Elektroinstallationen orientiert sich eine fachgerechte Ausführung an den anerkannten Regeln der Technik – in der Praxis vor allem den einschlägigen VDE-Normen. Ein Elektrobetrieb kann anhand von Baujahr, Zählerschranktyp und zugänglicher Verteilung häufig schon vor dem Zuschlag grob einordnen, ob eine punktuelle Ertüchtigung (etwa FI-Schutzschalter nachrüsten) reicht oder ob die gesamte Verteilung erneuert werden muss.

Ein Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu: Die Leitungsführung unter Putz bleibt auch für den Fachbetrieb unsichtbar, bis die erste Wand geöffnet ist. Aus Baujahr und Region lässt sich das Risiko besser einschätzen als von einem Laien – ausschließen lässt es sich nicht.

Sanitär

Sanitär: der planbarste Fall

Sanitärinstallationen sind der Fall mit der geringsten Unsicherheit in dieser Gruppe: Material und Zustand von Leitungen, Armaturen und Bädern lassen sich meist schon bei einer kurzen Besichtigung von außen realistisch einschätzen, und die Kosten hängen überwiegend von Material- und Lohnkosten ab – keine Fristen, keine Genehmigungspflichten wie bei Heizung oder Elektro. Der Vorteil für den Fachbetrieb ist hier fast ausschließlich der Materialeinkauf zum Großhandelspreis und die eigene Arbeitszeit statt einer fremd vergebenen Handwerkerstunde.

Eine Ausnahme: In Gebäuden mit Baujahr vor den 1970er-Jahren sind vereinzelt noch ältere Rohrmaterialien anzutreffen, deren Austausch aus heutiger Sicht ohnehin ansteht. Das ist ein zusätzliches Argument für eine gründliche Prüfung vor dem Gebot, nicht für einen höheren Sicherheitsabschlag im Kalkül.

Beispiel

Beispielrechnung

Ein Gutachten setzt für eine Doppelhaushälfte, Baujahr 1971, eine vollständige Elektro- und Heizungserneuerung mit 32.000 € an – ein Vollerneuerungs-Ansatz, weil der Sachverständige die Verteilung nicht öffnen konnte. Ein Elektro- und Heizungsbetrieb, der die Verteilung beim Außentermin einsehen kann, rechnet mit einer Teilerneuerung der Verteilung und einem GEG-konformen Heizungstausch zu eigenen Selbstkosten von rund 17.000 €. Die Differenz von 15.000 € ist Ihr Bietspielraum aus diesem einen Gewerk – unabhängig von etwaigen Fördermitteln, die den Aufwand zusätzlich senken können. Mit den eigenen Zahlen lässt sich das im Eigenleistungs-Bietrechner nachrechnen.

Aus dem Bestand

Objekte mit diesem Schwerpunkt

Die folgende Auswertung zeigt ausschließlich Verfahren, deren Gutachten einen Schwerpunkt bei Elektro, Heizung oder Sanitär ausweist.

Aus unserem BestandStand 28.07.2026

Schadensradar: Wo Spezialisierung sich rechnet

Für 1.491 aktuell bekanntgemachte Verfahren enthält das Gutachten eine auswertbare Zustands- oder Mängelbeschreibung. 750 davon weisen mindestens einen der folgenden Schwerpunkte auf. Gewertet wird nur, was der Sachverständige als Befund festhält — bloße Verdachtsformulierungen zählen nicht.

Elektro, Heizung, Sanitär

282 Objekte · 37 mit Termin in 30 Tagen · Median-Verkehrswert 209.000 €

Abgängige Installationen, defekte Heizungsanlagen, erneuerungsbedürftige Elektrik. Passendes Gewerk: Elektro, SHK, Heizungsbau.

OrtObjektartBaujahrFlächeVerkehrswertTermin
BaldhamBYDoppelhaushälfte1980130 m²800.000 €28.07.2026
HerscheidNWEinfamilienhaus200 m²280.000 €30.07.2026
KölnNWWohn- und Geschäftshäuser255 m²1.587.000 €03.08.2026
BerlinBEEinfamilienhaus1904239 m²1.190.000 €06.08.2026
AdelsriedBYZweifamilienhaus1976284 m²740.000 €12.08.2026
ParchimMVMehrfamilienhaus1920136 m²125.000 €12.08.2026
WallufHEEinfamilienhaus1930143 m²304.000 €12.08.2026
EssenNWZweifamilienhaus, Garage, Doppelhaushälfte1953114 m²190.000 €13.08.2026
Bruchhausen-VilsenNIland- und forstwirtschaftlich genutztes Grundstück1920140 m²640.000 €14.08.2026
Nienburg/WeserNIEinfamilienhaus1910129 m²170.000 €14.08.2026
Schwarzenbach a. WaldBYEinfamillienhaus1996121 m²153.000 €18.08.2026
AarbergenHEEinfamilienhaus, Keller, Hobbyraum1980153 m²215.000 €19.08.2026

Nächste 12 Termine von 282 alle Objekte durchsuchen.

Die Zuordnung stammt aus einer KI-Auswertung der Verkehrswertgutachten und ersetzt keine eigene Prüfung: Ein Objekt kann Schäden aufweisen, die im Gutachten nicht beschrieben sind — besonders dort, wo keine Innenbesichtigung möglich war. Welche Schäden im Einzelfall festgestellt wurden und wie der Sachverständige sie beziffert hat, steht in den Objektunterlagen. Zur Abdeckung: Baden-Württemberg, Hamburg und Bremen sind in den angebundenen Quellen unterrepräsentiert, Schleswig-Holstein ist derzeit nicht erfasst — Methodik im ZVG-Marktreport.

Realismus

Was von außen unsichtbar bleibt

Auch mit Fachwissen bleibt ein Rest Unsicherheit, den ein Sicherheitsabschlag abdecken muss: die tatsächliche Leitungsführung unter Putz, der Zustand von Steigleitungen im Gemeinschaftseigentum bei Eigentumswohnungen, und – bei Heizungen – ob der vorhandene Schornstein oder die Abgasführung für ein modernes System überhaupt geeignet ist. Der Zuschlag erfolgt ohne Gewährleistung für Sachmängel; was sich hinter der ersten Wand zeigt, tragen Sie. Kalkulieren Sie deshalb auch als Fachbetrieb mit Puffer, nur mit einem kleineren als ein Bieter ohne eigenes Gewerk.

Weiterlesen

Weiterlesen

FAQ

Häufige Fragen

Wie häufig ist Haustechnik als Schadensschwerpunkt?

In unserer Auswertung die zweithäufigste Kategorie nach Feuchtigkeit und Schimmel. Installationen altern kontinuierlich und unauffällig, während z. B. ein Wasserschaden sofort sichtbar ist – der Sachverständige vermerkt eine alte Elektroinstallation als Mangel, unabhängig davon, ob sie noch funktioniert.

Gilt die GEG-Heizungsfrist auch, wenn ich die Heizung selbst tausche?

Ja. Die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an neue Heizungen gelten unabhängig davon, wer den Einbau ausführt – Eigenleistung ändert nichts an der Rechtslage, nur an den Kosten.

Reicht eine Sichtprüfung vor dem Termin, um sicher zu kalkulieren?

Nein. Sie verbessert die Schätzung gegenüber einem Laien, ersetzt aber keine Öffnung der Wände. Rechnen Sie auch als Fachbetrieb mit einem Sicherheitsabschlag für das, was Sie vor dem Zuschlag nicht sehen können.

Was ist mit dem Gemeinschaftseigentum bei Eigentumswohnungen?

Steigleitungen und zentrale Heizungsanlage gehören meist zum Gemeinschaftseigentum – Ihr Kostenvorteil bezieht sich dann nur auf das Sondereigentum, während Sanierungen am Gemeinschaftseigentum über die Eigentümerversammlung laufen.

Quellen & Datengrundlage

GEG §§ 47, 71, 72 · Anerkannte Regeln der Technik für elektrische Anlagen (VDE-Normen) · Eigene Auswertung der Verkehrswertgutachten zu den öffentlich bekanntgemachten Verfahren, Stand 28. Juli 2026. Stand: Juli 2026.